Alle wollten nach Lichtenberg!

Gersprenztal. Lichtenberg hatte am Wochenende so eine Art Adventsmarktüberfüllungsnotstand. Die Tore und Parkplätze des Fischbachtaler Höhenortes mussten wegen Überfüllung geschlossen werden. Da kamen die alten und jungen Weihnachtsromantiker dann halt über Niedernhausen den Berg hochgekraxelt. Was dem einen oder anderen älteren Herrn schon mal in den Rücken fuhr, denn feucht und glatt war‘s auf dem Laub am steilen Hang! Aber was tun die Lichtenberg-Enthusiasten nicht alles, um ein paar heimelige Stunden am 1. Advent um Schloss und Bollwerk herum zu verbringen. Jedenfalls hatten die Lichtenberger Marktbestücker verdammt viel zu tun. Dass es so viele Menschen am vergangenen Wochenende nach Lichtenberg zog, hat sicher etwas mit guter Öffentlichkeitsarbeit zu tun und den einzigartigen Attributen des Marktes, die von Jahr zu Jahr differenzierter und wirksamer herausgestellt werden. Dazu gehören Schloss und Bollwerk, wie auch die nunmehr ziemlich lange Budengasse von Ortsmitte bis in den Schlosshof hinein. Dazu gehört auch die professionelle Organisation durch die Gemeinde Fischbachtal unter der Verantwortung von Renate Strohmenger. Dass der Weihnachtsmarkt zur Chefsache der Gemeinde gemacht wurde, hat durchaus einen strategischen Sinn: Selten ist es einfacher als mit Weihnachtsmärkten, seinen Ort – und sei er noch so klein – über unterschiedliche Medien hessenweit ins Gespräch zu bringen. Vorausgesetzt: Alles stimmt! Denn Enttäuschungen der Besucher sollten keine aufkommen.

Weihnachtsmärkte sind weltweit als deutsches Markenprodukt attraktiver denn je. In 10 Jahren kommen die Japaner, Chinesen, Australier, Kanadier, Inder auf die deutschen Weihnachtsmärkte, und zwar nicht nur in Dresden, Frankfurt, Köln, Nürnberg – da sind sie ja schon -, sondern nach Michelstadt, Erbach, Lichtenberg, Reinheim, Hering, Fränkisch-Crumbach, Reichelsheim, Ueberau . Einfach deshalb, weil den großen Märkten das Besucherfassungsvermögen ausgegangen ist. Nun, die Grenzen des Wachstums durfte der Adventsmarkt in Lichtenberg am vergangenen Wochenende ja auch spüren. Öffentlichkeit hat manchmal seinen Preis: Die stille Beschaulichkeit geht verloren. Doch gerade die Beschaulichkeit ist es, die die kleinen Odenwälder Märkte auszeichnet.

Beschauliche Märkte mit teilweise einzigartigem Ambiente und Angebot gibt’s in den nächsten Wochen im Odenwald noch einige. Die großen in Michelstadt und Erbach sowie die kleinen in Otzberg, Reinheim, Ueberau, Lindenfels, Fränkisch-Crumbach, Brensbach, Unter-Mossau, Neunkirchen und Beerfurth. Der kleinste und beschaulichste von allen ist sicher der Beerfurther Lebkuchen- und Weihnachtsmarkt. Hier ist das zuhause, was Weihnachten ausmacht: Schokolade, Lebkuchen, Weihnachtsgebäck, Schoko-Nikoläuse, Odenwälder Gäulchen, Geschnitztes und Gedrechseltes – von der Genese her das perfekte Weihnachtsdorf mit einem charmanten Marktplatz-Mittelpunkt. Aber auch die Reinheimer inszenieren ihren Weihnachtsmarkt wieder vor historischer Kulisse im Hofgut. Da lässt es sich gemütlich verweilen. Text/Bild: Dieter Preuss

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