Altes Stellwerk bald im Dreiklang der Wahrzeichen Reinheims? Museumsstellwerk Reinheim feierte 5-jähriges Jubiläum

Reinheim. Unbestritten: Die Wahrzeichen Reinheims sind der Fachwerkturm der Dreifaltigkeitskirche und das Hofgut. Und das ist gut so. Allerdings unter dem Aspekt der Einzigartigkeit sind das eher weniger starke Markenbilder. Kirchtürme findet man überall, das Hofgut ist schön, aber nicht das eigentlich wahrhaftige Reinheim. Vielleicht könnte man ja eine Art Dreiklang herstellen. Denn mit dem Reinheimer Selbstverständnis der Zwei- und Dreiteilung enger verbunden ist wohl das hundert Jahre alte Stellwerk am Bahnübergang, der der Stadt das zentrale Gepräge gibt. Reinheim ist nicht in erster Linie die historisierend romantische Glückseligkeit, sondern Verkehr, Bewegung, Anpassung, Veränderung, Innovation, Vitalität, Ankommen, Abreisen, Internationalität. Da wäre doch das Stellwerk in der perspektivischen Flucht der Gleise eine wunderbare Metapher (spekulative Anregung!). Zumal dieses Häuschen heute ein architektonisches Kleinod ist, an dem irgendwie alle Reinheimer Bürger und Transitgäste irgendwann einmal vorbeikommen.

Zu verdanken ist die Herrichtung des Stellwerks nach der Stilllegung im Jahr 2007 der Initiative von Gert Schneider und des rund 20 Mitglieder starken Vereins Museumsstellwerk Reinheim e.V. Seit 2008 arbeiten die Eisenbahnfreunde und -liebhaber in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde an der Instandsetzung des Gebäudes mit dem interessanten technischen Innenleben. Wände, Sockel, Dach, Fenster – alleine das verschlang bisher rund 30.000 Euro und tausend Stunden ehrenamtliches Streichen, Verputzen, Hämmern, Sägen, Vermessen, Graben … Ohne die finanzielle Hilfe der Stadt Reinheim, der Deutschen Stiftung Denkmal, dem Amt für Kultur in Hessen sowie der Margarethe-von-Wiesnet-Stiftung wäre das Gebäude heute dem Verfall preisgegeben. Denn die Bahn hat und hatte wenig Interesse an der Erhaltung des Stellwerks. Und heute nach 5 Jahren – das Fest wurde am vergangenen Samstag gefeiert – steht das Museum schöner da als jemals zuvor. Was sicher auch etwas mit der Leidenschaft des gebürtigen Wixhäuseners Gert Schneider zu tun hat: „Schon als Junge habe ich es geliebt, wenn die Dampflok auf der Strecke Frankfurt-Mannheim am Signal in Wixhausen gehalten hat. Und war der Lokführer gut drauf, hat er uns Jungs an der Strecke eingeladen und wir durften die 1,5 Kilometer vorne in der Lok mit in den Bahnhof fahren.“ Das hat Herz und Seele geprägt und Leidenschaft, die schafft und erschafft. Und wenn das Erschaffene gut ist, wie das Reinheimer Museumsstellwerk, dann sollte das auch belohnt werden: hoffentlich mit vielen neuen Vereinsmitgliedern, denn es gibt auch innen noch viel zu tun.  Interessenten informieren sich über www.museumstellwerk-reinheim.de.

Text/Bild: Dieter Preuss


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