Ältestes Gebäude in Reinheim erstrahlt in neuem Glanz

Kalb’sches Haus öffnet seine Pforten

Kalb’sches Haus öffnet seine Pforten

Reinheim. Auf eine lange Geschichte kann das „Kalb‘sche Haus“ in Reinheim zurückblicken. Gebaut wurde das bekannte und unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus 1450 und war im Laufe der Jahrhunderte vielen Umbauten unterzogen. Umgeben von dem Standesamt der Stadt sowie dem Kulturzentrum und der evangelischen Kirche liegt das altehrwürdige Fachwerkhaus heute im kulturellen Mittelpunkt Reinheims und leistet somit seinen Beitrag zum Reinheimer Kulturgeschehen.

Das Kalb’sche Haus ist mit seinen 561 Jahren das älteste Haus der Gersprenzmetropole und wurde nach einem alten Rittergeschlecht benannt. „Früher gab es in dieser Region nur den Kalberhof, ein Wasserschlösschen am Wembach. Er war seinerzeit ein Lehnshof der Grafen von Katzenelnbogen. Als das Grafengeschlecht ausstarb, sind die Lehnsgüter an den Kurfürsten von Hessen-Darmstadt gefallen. Später schenkte dann Langraf Ludwig V einen Teil des Kalberhofes an Reinheim zum Bau einer evangelischen Kirche, die 1611 eingeweiht wurde“, berichtet der heutige Besitzer Karl-Dieter Hessel. Das Kalb’sche Haus hat in seinem langen Bestehen den 30-Jährigen Krieg genauso gut überstanden wie Pest und Brandschatzung. Viele Jahrhunderte lang war Reinheims ältestes Haus bewohnt und wurde unter anderem als Bäckerei genutzt. In dieser Zeit entstand auch der Gewölbeanbau an der Reinheimer Stadtmauer. Im Laufe der Zeit verfiel das alte Anwesen zusehends und geriet mehr und mehr in Vergessenheit. Zuletzt war das historische Gebäude im Besitz der Familie Stühlinger, die das Haus geerbt hatte und es wegen der strengen

Karl-Dieter Hessel freut sich den Reinheimern und ihren Gästen die neu sanierten Räumlichkeiten des Kalb’schen Hauses zu zeigen. Bild: me

Auflagen des Denkmalschutzes verkaufen wollte. Von dieser erwarb es 2010 der Diplom-Kaufmann Karl-Dieter Hessel. Dem gebürtigen Reinheimer gefiel der Fachwerkbau und er wollte es – trotz der Baufälligkeit – gerne erhalten. Mit insgesamt ca. 330.000 Euro sanierte der private Bauherr das älteste Haus der Stadt. Nach strengen Denkmalschutzvorschriften wurde der ursprüngliche Zustand des in Lehm gebauten und gehaltenen Kalb’schen Hauses innerhalb von umfassenden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten, die fast ein Jahr dauerten, wieder hergestellt. Fachleute und Experten wie die Ziegelei Liebig, der Lehmbau Biro, die Zimmerei Rau und das Unternehmen Baulust in Birkert konnten für die Bausanierung gewonnen werden. Zudem musste die Elektro- und Wasserversorgung komplett erneuert werden.

Nun sind die aufwendigen Arbeiten überwiegend abgeschlossen und das geschichtsträchtige Haus kann rechtzeitig zur Reinheimer Kerb am zweiten Septemberwochenende für die Bürger seine Türen öffnen. „Das Kalb’sche Haus soll ein öffentliches Haus werden“, so Karl-Dieter Hessel. „Die Bürger der Stadt sollen sich daran erfreuen können.“ Aus diesem Grund möchte Karl-Dieter Hessel eine Weinwirtschaft mit Gutausschank in dem alten Anwesen einrichten. In dem Winzer Willi Diehl vom Groß-Umstädter Weingut Brücke-Ohl fand er den richtigen Partner. Geplant ist vorerst eine Straußwirtschaft, die zunächst an den Wochenenden geöffnet hat. Die Gasträume, die von einem historischen Gewölbe aus dem 18. Jahrhundert geschmückt werden, bieten Platz für ca. 40 Personen. Das obere Stockwerk des Hauses steht künftig für private Feierlichkeiten, ebenfalls für bis zu 40 Personen, zur Verfügung. Der alte Gewölbekeller bietet außerdem mit seinen 14 bis 15 Grad kühlen Räumlichkeiten die ideale Voraussetzung für die Lagerung des Weines, der ab Herbst in den Gasträumen angeboten wird. Gefeiert wird die neue Nutzung des Kalb’schen Hauses am Kerbwochenende. Im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ ist das Kalb’sche Haus am 11. September für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese können ab 11.00 Uhr das Haus besichtigen, dabei ein Glas guten Wein genießen und der musikalischen Darbietung des Musikers Frank Bülow lauschen. Um 15 Uhr wird Schauspieler Walter Renneisen Heiteres zum Besten geben.                                                                               Text: me

Hinterlasse jetzt eine Antwort