Birgit Gumbrecht – Ernsthofen

Birgit Gumbrecht – Ernsthofen

Vielseitigkeit, musikalische Begabung, großes ehrenamtliches Engagement und die Liebe zur Schauspielerei zeichnen Birgit Gumbrecht aus. Besonders die Arbeit mit Kindern ist der 61-jährigen Ernsthofenerin wichtig.
Birgit Gumbrecht wurde im November 1950 in Berka an der Werra geboren. Gemeinsam mit einer vier Jahre jüngeren Schwester wuchs sie in der thüringischen Stadt auf und besuchte bis zur zehnten Klasse die dortige Schule. Bereits als Kind zeigten sich musikalische sowie schauspielerische Talente: In der Schule lernte Birgit Gumbrecht Klavier und Gitarre, der Vater brachte ihr Flöte- sowie Schlagzeugspielen bei. Außerdem hatte sie eine gute Singstimme, nahm in ihrer Jugend sehr erfolgreich an Gesangswettbewerben teil und wollte Sängerin werden. Doch wegen gesundheitlicher Probleme musste Birgit Gumbrecht mit dem Singen aufhören. Nach ihrem Schulabschluss entschied sie sich daher, mit Kindern zu arbeiten, zog nach Gotha und absolvierte ein zweijähriges Studium zur Erzieherin. Zwei weitere Anerkennungsjahre in einem Eisenacher Kindergarten folgten. „Diese Zeit war die schönste meines Lebens“, stellt die heute 61-Jährige rückblickend fest. Im gleichen Zeitraum lernte sie in der elterlichen Gastwirtschaft ihren späteren Mann Roland kennen, der als Grenzsoldat in Berka stationiert war. Die beiden heirateten 1971 und zogen nach Wutha-Farnroda, wo auch 1972 die gemeinsame Tochter Babette zur Welt kam. Bis sie 1973 wieder fest ins Berufsleben eintrat, war Birgit Gumbrecht als Heimarbeiterin für die Uhrenwerke sowie in ihrem Ausbildungskindergarten in Eisenach tätig. Von 1973 bis 1989 arbeitete sie dann in einem Betriebskindergarten. Während dieser Zeit war Birgit Gumbrecht Gewerkschaftsverantwortliche zudem für vier Kindergärten.
Sie genoss es mit den Kindern Theater zu spielen und trat mit ihnen auch in Seniorenheimen oder bei Altennachmittagen auf. Oft verfasste die Modautalerin sogar Stücke und Texte selbst: „Das kleine Kastanienblatt“ lief als Abendgruß beim Sandmännchen. Andere Geschichten und Gedichte, die aus realen Situationen entstanden sind wie „Die Prinzessin Schneestern“, „Klara Prep“, „Tanz am Teich“ oder „Das Pilzhaus“, ein Tiergedicht mit pädagogischem Hintergrund, wurden von ihr illustriert und in kleinen Büchern veröffentlicht.
„Ein großes Erlebnis als Erzieherin war für mich die Auszeichnung als beste Kindergärtnerin im Landkreis, die ich 1985 in Erfurt erhielt“, so die gelernte Fachkraft, die das Schreiben all die Jahre beibehielt.
Aufgrund einer angeborenen Körperbehinderung war Birgit Gumbrecht viele Jahre in medizinischer Behandlung. Obwohl die viele Bewegung durch ihren Beruf, den sie liebte, ihr gut tat, musste sie 1989 dennoch Invalidenrente beantragen. Als ihr Mann ein Jahr später eine Stelle in Reinheim erhielt, verschlug es das Paar ins Modautal, auch wenn die Trennung von den Freunden schwerfiel.
Da die Wahl-Ernsthofenerin in der neuen Heimat aktiv werden und neue Freunde finden wollte, trat sie in den Gesangsverein ein, half beim Bäcker aus und engagierte sich beim Kindergartenförderverein. Durch Letzteren kam es im September 1991 zur Gründung eines Kindergartens, den sie, anfangs mit einer Gruppe von zehn Kindern, leitete.
Seit 1991 spielt Birgit Gumbrecht wieder Theater, zunächst mit der Theatergruppe des Kindergartens, zu der sich jedoch zunehmend auch Schulkinder gesellten. Das Theater unter ihrer Leitung gehört nun zum Kirchenspiel Ernsthofen und sie selbst sagt dazu: „Das Theater ist meine Welt, sonst würde mir die Decke auf den Kopf fallen.“ Einmal im Jahr wird ein Stück einstudiert, dieses Jahr z. B. „Rotkäppchen“, und dann aufgeführt. Sie spielt auch selbst mit. Mit ihrer Tochter und einer weiteren Kollegin gründete sie zudem die Theatergruppe „Die drei süßen Früchtchen“, die Sketche aufführt und in den Kinderstücken mitwirkt.
Doch damit ist es noch lange nicht genug: Birgit Gumbrecht schlüpft zudem an Nikolaus in die Rolle des Knecht Ruprecht, betreut den Kindergottesdienst mit, beteiligt sich an der „Aktion Osterei“, ist seit zehn Jahren im Vorstand des VdK und seit 1991 im Angelverein „Odin“ in Ernsthofen die Schriftführerin. Oft hat sie schon im Altersheim Geschichten oder Gedichte vorgelesen und auch bei den älteren Damen im Ort ist sie ein gern gesehener Gast – sei es zum Kaffee, Ständchen bringen, Erzählen oder Helfen. Mit immer neuen Ideen werkelt sie seit 1991 als „Bastel-Birgit“ einmal in der Woche mit Kindern und dekoriert mit ihnen auch das Schaufenster beim Bäcker Schellhaas jahreszeitlich passend. Mit den Kindern bastelt sie zudem Karten für jeden Anlass, deren Erlös einem guten Zweck zukommt. Schließlich hat Birgit Gumbrecht immer ein offenes Ohr, weiß, wo Hilfe benötigt wird und wie sie Menschen eine Freude machen kann.

Wenn Sie Königin von Deutschland wären, was wäre Ihre erste Tat?
Birgit Gumbrecht: Ich würde dafür sorgen, dass die Politiker nicht früher ihre Rente ausgezahlt bekommen als normale Arbeiter auch.

Sie haben drei Wünsche frei. Nennen Sie uns diese bitte.
Birgit Gumbrecht: Als erstes wünsche ich mir, so lange wie möglich das weiter zu machen, was ich jetzt mache. Der zweite Wunsch wäre, mit meinem Mann alt zu werden. Zudem wünsche ich mir, dass es der ganzen Familie und allen Kindern gut geht.

Welcher Mensch in Ihrem Leben hat den größten Eindruck auf Sie gemacht?
Birgit Gumbrecht: Meine Mutti hat den größten Eindruck auf mich gemacht. Sie hatte es nicht einfach in ihrem Leben, war immer für alle da und half, wo sie konnte.

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