Die Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung – sollte auch Erben interessieren!

Steuerberater Cord-Ulrich Stern Schwind+Partner, Brensbach

Seit einer Weile gibt es ein neues Geschäftsfeld für unzufriedene Bankmitarbeiter aus Ländern mit „Bankgeheimnis“: Sie kopieren Kundendaten auf Datenträger und bieten sie den deutschen Steuerbehörden zum Kauf an. Dass diese Daten, nach kurzemZögern, meist gerne genommen werden, finden die meisten Steuerzahler nur recht und billig. Für die Menschen aber, die ihre Kapitalerträge aus der Schweiz oder Liechtenstein nicht in ihren Steuererklä-rungen erwähnt haben, stellt sich späte-stens jetzt die Frage nach der Selbstanzeige. Die Selbstanzeige schafft – zumindest jetzt noch – eine Möglichkeit, nach Steuerhinterziehung straffrei auszuge-hen, sofern die hinterzogenen Steuern nunmehr vollständig und richtig erklärt, und die hinterzogenen Steuern innerhalb der vom Finanzamt bestimmten Frist gezahlt werden.

Die Selbstanzeige ist dabei keineswegs eine „billige“ Lösung, da zusätzlich zu den Steuern auch Hinterziehungszinsen zuzahlen sind. Sie bietet aber die Möglichkeit, straffrei zur Steuerehrlichkeit zurückzukehren und so zum einen das eigene Gewissen zu beruhigen, andererseits aber auch einer drohenden Entdeckung zuvor zu kommen. Wenn die Tat nämlich entdeckt und die Eröffnung eines Strafverfahrens mitgeteilt wurde, ist es für die Strafbefreiung zu spät – dann kann eine vollständige Nacherklärung lediglich noch das Strafmaß positiv beeinflussen. Vorsicht bei Erbschaften! Auch wer selbst niemals Steuern hinterzogen hat, kann durch eine Erbschaft zum Steuerhinterzieher werden:

Sobald nach Einblick in die Verhältnisse des Erblassers klar ist, dass von diesem nicht alle Einkünfte versteuert wurden, muss der Erbe die Steuererklärungen berichtigen oder erstmalig einreichen. Tut er das nicht, begeht er Steuerhinterziehung durch Unterlassen. Vor der Selbstanzeige muss zunächst geklärt werden, für welche Jahre eine Strafe droht. Diese müssen auf jeden Fall komplett nacherklärt werden. In der Regel gilt eine Verjährungsfrist von fünf Jahren ab dem Tag, an dem der betreffende Steuerbescheid ergangen ist. Für besonders schwere Steuerhinterziehung sieht das Gesetz sogar eine Verjährungsfrist von zehn Jahren vor. Auch wenn nur die Steuerhinterziehung der letzten fünf Jahre bestraft werden kann, kann die Steuer noch für einige weitere Jahre nachgefordert werden. Die Verjährungsfrist hierfür beträgt bei Hinterziehung generell zehnJahre, beginnt aber erst mit Ablauf des Jahres, in dem die falsche Erklärung eingereicht wurde. So können noch mindestens bis Ende 2010 verschwiegene Einkünfte aus dem Jahr 1999 nachversteuert werden; wenn gar keine Erklärung eingereicht wurde, kann das Finanzamt in diesem Jahr sogar noch bis ins Jahr 1996 zurück gehen.

Wer berät? Grundsätzlich gilt: Wenn Sie schon zur Selbstanzeige entschlossen sind, können Sie sich von Ihrem vertrauten Steuerberater bei der Selbstanzeige begleiten und beraten lassen. Wenn Sie allerdings „ergebnisoffen“ beraten werden wollen, sollten Sie sich hierfür einem fremden Steuerberater anvertrauen. Falls Sie sich nämlich gegen eine Selbstanzeige entscheiden, riskieren Sie ansonsten, dass Ihr bisheriger Berater das Mandat niederlegt, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Seine Schweigepflicht besteht zwar weiterhin – er darf und muss Sie deshalb nicht anzeigen. Allerdings darf er nicht weiter für Sie Erkärungen erstellen, von denen er dann weiß, dass sie unvollständig oder falsch sind. Übrigens. Aktuell wird zwar vor allem über nicht erklärte Kapitalerträge gesprochen – die strafbefreiende Selbstanzeige ist aber auch für alle anderen hinterzogenen Steuern anwendbar. Wie lange noch, steht allerdings nicht fest. Die Diskussion hierüber wird gerade wieder intensiv geführt.

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