Die Tannenmühle

Ein Tag mit Steinofenbrot, Mühlenromantik und Geselligkeit

Müller Friedel Haas erklärt die Technik des alten Walzenstuhls, mit dem in der Tannenmühle das Getreide gemahlen wurde, um es anschließend mit dem 1. Schrot im Plansichter in Mehl, Grieß und Kleie zu separieren.

Müller Friedel Haas erklärt die Technik des alten Walzenstuhls, mit dem in der Tannenmühle das Getreide gemahlen wurde, um es anschließend mit dem 1. Schrot im Plansichter in Mehl, Grieß und Kleie zu separieren.

Habitzheim. Für die Menschen war die Mühle seit der Erfindung im 1. Jahrhundert v. Chr. stets von Geheimnissen und einer gewissen Bangigkeit umgeben. Dem Volksglauben nach mussten bei diesem Wunderwerk Kobolde, Geister, Nixen oder gar der Teufel die Hände im Spiel haben, denn erstmals wurde eine Energie- und Transmissionsleistung ohne Menschen- oder Tierkraft ausgeführt. Weil dem so ist, gibt es auch um Müller und Mühlen so viele mystische und geheimnisvolle Geschichten. Steigt man durch die 4 Stockwerke der turbinengetriebenen Häzemer Tannenmühle, dann kommen dem Romantiker durchaus diese Geschichten in den Sinn. Und führt der 78-jährige Landwirt und Müller Friedel Haas den Gast durch die Räume mit den dicken Mauern, den unheimlichen Schattenrissen vor stahlumrahmten Fenstern, den knarrenden Dielen, alten Kurbeln, Zahnrädern, Maschinen, dem rostigem Gestänge, den porösen Riemen sowie den Netzen der Spinnen oder Nymphen(?), so verspürt dieser schon den Schauder der „Krabat-Welt“. Allerdings nicht im Koselbruch bei Schwarzkollm, sondern an der Gersprenz bei Habitzheim. 1680 wurde die Tannenmühle erbaut. Nach einem Großbrand – die Wasser- und Getreidemühle war vollkommen zerstört – wurde sie 1911 neu aufgebaut, um nur wenige Jahrzehnte später, 1970, den Betrieb einzustellen. Die Bauern, die ihr Getreide zum Mahlen brachten, wurden stets weniger, womit sich der Betrieb der Mühle nicht mehr lohnte. Jedoch die Turbine läuft noch heute und produziert im Zusammenspiel mit dem Generator aus Wasserkraft Strom, der an ein Darmstädter Energieunternehmen geliefert wird. Ökologischer Strom aus einem Fließkraftwerk und einer gut erhaltenen Mühle.

Möglich gemacht haben das Mühlenfest nicht nur die Eheleute Haas, sondern auch die Aktiven vom „Häzemer Dorfund Kulturverein“. Die haben am vergangenen Sonntag mit der nunmehr 3. Veranstaltung „Brotbacken in der Tannenmühle“ viele Gäste und komplette Familien in die alte Mühle mit dem Steinofen gelockt.
Seit 2008 gibt es den „Häzemer Dorf- und Kulturverein“ und er ist unter dem 1. Vorsitzenden Dieter Lehmer sehr produktiv. Gabriele Kaufmann, Pressewart des Vereins, erläutert: „Wir veranstalten neben der Tannenmühlen-Geselligkeit auch historische Dorfgänge durch Habitzheim sowie Erzählabende und den Mundartabend auf der Häzemer Kerb im September“. Hinzu kommen die „Habitzheimer Geschichte(n)“. Eine schöne editorische und verlegerische Arbeit in drei Bänden. Weitere Bände mit heimatlichen Geschichten werden folgen. Der wissensdurstige Leser schaut einfach mal unter www.kulturverein-habitzheim.de
Text/Bild: Dieter Preuss

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