Edelgard Seidelmann – Modautal

Edelgard Seidelmann – Modautal

Ehrenamtlicher Einsatz im Verein und im Gemeindeleben zeichnen das Engagement von Edelgard Seidelmann aus. Die Modautalerin ist unermüdlich für ihre Mitmenschen tätig.
Edelgard Seidelmann wurde im Juli 1936 in Großobringen bei Weimar geboren und verbrachte dort auch ihre Kindheit. Im April 1950 floh sie mit ihrer Mutter 1950 nach Westdeutschland, da ihr Vater nach seiner Kriegsgefangenschaft in Spachbrücken eine Stelle als Lehrer gefunden hatte und in Gundernhausen wohnte. Über Bad Hersfeld gelangten die Frauen nach Dieburg, die Familie kam wieder zusammen und Edelgard Seidelmann konnte noch im Herbst desselben Jahres ihre Schulausbildung abschließen.
Danach absolvierte die heutige Hoxhohlerin in Darmstadt eine dreijährige Ausbildung zur Schneiderin, bevor sie zwei Jahre lang eine Fachschule für Erzieherinnen besuchte. Mit 19 Jahren hatte sie bereits zwei Berufsausbildungen erfolgreich abgeschlossen. Als staatlich geprüfte Erzieherin arbeitete Edelgard Seidelmann ein Jahr in einem katholischen Kindergarten und danach drei Jahre lang in einem städtischen Hort. Bereits während ihrer Ausbildungszeit hatte die junge Frau auf ihren morgendlichen Busfahrten in die Stadt ihren späteren Mann Oskar kennengelernt, der in Darmstadt studierte. Die beiden heirateten 1957 und zogen 1960 nach Duisburg, wo Oskar Seidelmann eine Arbeitsstelle fand. Im gleichen Jahr bekam das Paar noch Tochter Constanze. Nach eineinhalb Jahren im Ruhrgebiet wurde Oskar Seidelmann in das Fernmeldetechnische Zentralamt nach Darmstadt versetzt. So zog die dreiköpfige Familie wieder in die Heimat zurück. Im Modautaler Ortsteil Hoxhohl kauften sie ein altes Haus, das seitdem ihr Zuhause ist. 1964 und 1970 brachte Edelgard noch zwei weitere Töchter, Bettina und Annette, zur Welt.
Nach Geburt der jüngsten Tochter engagierte sich die heute 75-Jährige verstärkt im örtlichen Vereins- und Gemeindelebens. Sie nahm  am Mutter-Kind-Turnen teil und übernahm nach dem Wegzug der früheren Turnleiterin Anfang der 70er Jahre die Leitung des Kindersports beim TSV Ernsthofen. Bald darauf absolvierte sie Kurse wie Rückenschule und Kinderturnen, um sich weiterzubilden. Weitere ehrenamtliche Engagements folgten. So half Edelgard Seidelmann bei Sportfesten der Schule, nahm zudem die Prüfungen für die Sportabzeichen ab und legte diese auch selbst ab – bis heute hat sie es so zu einer stattlichen Sammlung von über 20 Abzeichen gebracht. Ständig war Edelgard Seidelmann auf der Suche nach neuen Ideen und Impulse für ihre Vereinsarbeit. Doch nicht nur dem Sport und den Kindern galt das Interesse der gebürtigen Thüringerin. Als 1978 der Verschönerungsverein Hoxhohl gegründet wurde, rief sie in diesem Verein eine Bastelgruppe für Frauen ins Leben, die zehn Jahre lang eifrig werkelte und die gebastelten Stücke jeweils am Adventsbasar verkaufte. „In dieser Zeit kamen 25.000 DM zusammen, mit denen wir viele gemeinnützige Projekte vor Ort unterstützten“, sagt die vielseitig Engagierte stolz. 1983 übernahm Edelgard Seidelmann noch eine Sportgruppe für Erwachsene beim TSV Ernsthofen. Es kamen auch Kurse für die Volkshochschule Modautal hinzu, deren Leitung die Hoxhohlerin vor fünfzehn Jahre übernommen hatte. Bei ihren ehrenamtlichen Projekten, ist es der Modautalerin immer wichtig, sich für andere einzusetzen: Neben dem Sport war sie bis zu ihrem 68. Lebensjahr fleißige Blutspenderin. Noch heute ist Edelgard Seidelmann in der VHS aktiv, hält Ausgleichsgymnastik in Brandau und Allertshofen und besucht Vereinsmitglieder – Jubilare ab 65 Jahren – zum Geburtstag. Auch beim örtlichen Verschönerungsverein gibt es für die Vielbeschäftigte immer noch etwas zu tun: Sie sorgt für das leibliche Wohl der Gäste beim alljährlichen Heimatabend, unterstützt die kulinarische Aktion des Vereins auf dem Bauernmarkt oder schmückt mit Gleichgesinnten den Osterbrunnen in Allertshofen. Mit der Pensionierung ihres Mannes 1993 hat sie ihre sportlichen und ehrenamtlichen Aktivitäten etwas reduziert, doch sie muss einfach in Bewegung bleiben. So lebt sie beispielsweise auch in Haus und Garten ihre kreative Ader mit ihren Enkeln, mit denen sie sehr gerne zusammen ist, aus. „Mit meinen sieben Enkeln gehe ich oft zum Klettern ins Felsenmeer“, sagt die 75-jährige, die 2011 den Ehrenbrief ihrer Heimatgemeinde für ihr langjähriges Engagement geehrt wurde.  In ihrer Freizeit  fährt sie zudem gerne Auto und unternimmt mit ihrem Mann Oskar Ausflüge. So oft es die Zeit erlaubt, werden die Kinder in München und im Hunsrück besucht oder aber auch die nähere und weitere Umgebung erkundet.

Wenn Sie Königin von Deutschland wären, was wäre Ihre erste Tat?
Edelgard Seidelmann: Ich würde dafür sorgen, dass Familienväter wieder stolz darauf wären, ihre Familien zu ernähren und Frauen bzw. Mütter mehr Zeit für ihre Kinder haben. Mutter zu sein, sollte wieder mehr anerkannt werden.

Sie haben drei Wünsche frei. Nennen Sie uns diese bitte.
Edelgard Seidelmann: Ich wünsche mir, dass Kinder in gesunden Familien aufwachsen und, dass Menschen wieder mehr Zutrauen zueinander fassen. Mein dritter Wunsch wäre, dass die materiellen Wünsche etwas zurückgesteckt und die Familien gestärkt werden.

Welcher Mensch in Ihrem Leben hat den größten Eindruck auf Sie gemacht?
Edelgard Seidelmann: Meine Mutter hat den größten Eindruck auf mich gemacht. Sie war sehr realistisch und bewies viel Mut, sich auf das „Wahrsagen“ einer fremden Frau zu verlassen.

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