Expertenrunde der Dieburger Jägerschaft zum Feldhasen-Projekt

Für Meister Lampe wird’s dunkel

Die Expertenrunde aus Jägern, Naturschützern und Landwirten bei der Besichtigung eines idealtypischen Feldhasenbiotops nahe Hundertmorgen.

Reinheim-Hundertmorgen. Der Hase, fest verankert in der deutschen Mythologie, ist in Not. Diesem Umstand trägt die Dieburger Jägerschaft Rechnung, indem sie den Feldhasen zum „Tier des Jahres“ gewählt hat. Dazu Dieter Göbel, 2. Vorsitzender der Dieburger Jäger, wörtlich: „Die intensive Landwirtschaft und Flurbereinigung sowie freilaufende Hunde und das Populationswachstum der Fressfeinde wie Fuchs, Marder, Rabenkrähe und einiger Greifvögel bedrohen zunehmend den Bestand des Feldhasen. Nicht nur hier in der Region, sondern bundesweit.“

Ziel der Dieburger Jäger ist es, mit dem Feldhasenprojekt die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger aus Politik, Behörden, Landwirtschaft und Naturschutz auf die bedrohliche Situation von Meister Lampe aufmerksam zu machen. Dazu diente auch die sogenannte Expertenrunde, zu der die Jäger am vergangenen Samstag ins Hundertmorgen Stübchen nach Reinheim-Ueberau eingeladen hatten. Neben Jägern und Landwirten folgten der Einladung der 1. Stadtrat von Reinheim, Hans Heckel, der Kreisbeigeordnete des Landkreises Darmstadt- Dieburg, Dieter Emig, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, Dr. Wolfgang Heimer, der Vizepräsident des Landesjagdverbandes Hessen, Dr. Nikolaus Bretschneider- Herrmann, der Vorsitzende des Darmstädter Jagdclubs Bernd Widmaier sowie Walter Schütz, Kreislandwirt, und Thomas Schuchmann, Ortslandwirt von Reinheim. Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch Christian Braun, 1. Vorsitzenden der Dieburger Jägerschaft, ging es raus zur Besichtigung eines typischen Feldhasen Reviers zwischen Hundertmorgen und Groß-Bieberau. Das rund 600 ha große Revier von Dieter Göbel ist mit seiner Ackerlandschaft und mit größeren und kleineren Feldholzinseln ein nahezu perfekter Lebensraum für Meister Lampe, wenn, ja wenn dem Hasen nicht zunehmend die Deckungs- und Nahrungsmöglichkeit genommen würde durch die intensive Agrarbewirtschaftung. Dem versucht Göbel mit großangelegten Blühwiesen entgegenzusteuern. Diese sogenannten Wildäcker bieten dem Hasen Nahrung und Deckung zugleich. Nach dem Revier-Rundgang referierte Matthias Roscher anschaulich darüber, wie die Bedrohung des Hasen im Detail aussieht, was sie für Folgen hat und welche Gegenmaßnahmen für Landwirte, Naturschützer, Jäger und Öffentlichkeit möglich wären. Dieter Göbel machte mit seiner zum Feldrundgang ergänzenden Präsentation nochmals den Wert von Wildäckern deutlich. Denn gerade jetzt im Herbst und Winter bei abgeernteten und vegetationsarmen Agrarfl ächen sind die Wildäcker zur Deckung und zum Schutz der Feldhasen vor Beutegreifern lebensrettend. Die anschließende Diskussion der Expertenrunde mit vielen Fragen und Erkenntnissen machte deutlich, wie wichtig solche Projekte und Veranstaltungen sein können. Denn bei dem einen oder anderen Verantwortlichen ist es durch die Information und das Gespräch angekommen: „Für Meister Lampe wird‘s langsam dunkel.“

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