Feldgottesdienst des Kreisfeuerwehrbands im Reinheimer Stadtpark

„Den Menschen helfen kann nur der Mensch“

Rund 300 Feldgottesdienst-Besucher lauschen den evangelischen Botschaften. Text/Bild: Dieter Preuss

Reinheim. Ungewöhnlich, dass ein Pfarrer, Winfried Steinhaus aus Lengfeld, in seiner Predigt beim Feldgottesdienst am vergangenen Sonntag im Reinheimer Stadtpark anlässlich 110 Jahre Reinheimer Feuerwehr betonte: „Den Menschen helfen kann nur der Mensch!“ In anderen Religionen und in früherer Zeit konnte das immer nur Gott. Betrachtet man es mit den Sinnen der Feuerwehr, dann ist das nicht nur Wirklichkeit, sondern für viele auch Wahrheit. Denn kaum ein Feuerwehrmann, eine Feuerwehrfrau wird sagen: Da hilft allein nur Gott! Nein, diese Menschen müssen schon selbst Kraft, Mut und Verantwortung aufbringen, um anderen Menschen in deren Unglück beizustehen, zu helfen, sie da rauszuholen. So war das Thema der Predigt – dramaturgisch schön heraus gearbeitet – „Die Macht der Elemente“. Der oftmals verderblichen Macht der Elemente stünde die gute Macht Gottes entgegen, so Pfarrer Steinhaus – doch nicht vom Glauben abgefallen – und weiter: Dazu gehöre auch die ehrenamtliche Tätigkeit der Feuerwehren, was kein Freizeithobby sei, sondern Anpacken, Verantwortung, Helfen.

Rund 300 Besucher erlebten im Schatten alter Parkbäume vor altem Gemäuer einen Feldgottesdienst, wie ihn schöner das Kino nicht hätte inszenieren können. Eröffnet wurde der Gottesdienst mit Klängen des Musikzugs Schaafheim-Altheim unter Leitung von Steffen Rupprecht. Anschließend begrüßte der Reinheimer Stadtbrandinspektor Lutz Gerhardt die Gäste. Pfarrer Gerhard Siegert (Reinheim) und Notfallseelsorger Winfried Steinhaus gestalteten gemeinsam die Freiluft-Zeremonie. Siegert heiterte die Gemeinde mit ein paar schönen „Feuerwehr-Anekdoten“ aus der Zeit seines Amtsantritts vor rund 36 Jahren auf. 1978 durfte er das Jubiläumsfest zum 75jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Reinheim miterleben: „Damals wurde ausgiebig 4 Tage (und Nächte) lang gefeiert“. Mitgefeiert hat er auch beim 100jährigen Jubiläum und am Sonntag im Stadtpark gab er zum 110jährigen Jubiläum erneut seinen Segen den Männern und Frauen der Feuerwehren. Die Kollekte kam – Menschen helfen Menschen – den Flutopfern im Partnerlandkreis Zwickau zugute. Teil der Liturgie waren auch Til Burkhart, Dieter Bach und Karl Eisenhauer. Der Feldgottesdienst, der alle zwei Jahre vom Kreisfeuerwehrverband Darmstadt-Dieburg innerhalb des Landkreises veranstaltet wird, fand diesmal wegen des Jubiläums im Reinheimer Stadtpark statt. Auch ein perfekter Ort deshalb, weil es nach dem Gottesdienst mit einem fröhlichen Umtrunk und einem herzhaften Imbiss weiterging an den Tischen und Bänken unter den Kühle und Schatten spendenden Linden. Und weil alles so gut gelungen war, die Sonne den Gästen weiterhin Frohmut bescherte, spielte auch der Musikzug Schaafheim schwungvoll heiter weiter!

2 Kommentare

  1. Winfried Steinhaus, Pfarrer sagt:

    Sehr geehrter Herr Preuss, ich lege großen Wert auf die Feststellung, daß ich den mir unterstellten Satz „Den Menschen helfen kann nur der Mensch“ nicht gesagt habe. Er widerspricht sowohl meiner theologischen Grundeinstellung als auch meiner gelebten Praxis, insofern ich bei jeder Fahrt zu einem Notfalleinsatz ein Stoßgebet gen Himmel schicke und um Kraft und Beistand bitte. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen die von mir gehaltene Predigt im Wortlaut zukommen lassen. Möglcherweise (ich bin mir nicht sicher) hat Stadtbrandinspektor Lutz Gerhardt bei seiner Eingangsbegrüßung den besagten Ausspruch getan – Sie können ihn ja fragen – jedenfalls nicht ich. Mit „nicht vom Glauben abgefallenen“ Grüßen und in Erwartung Ihrer Antwort! W.Steinhaus

    • Sehr geehrter Herr Steinhaus, zuerst: Ich freue mich sehr, dass Sie auf charmante Weise auf meinen Fehler reagieren. Auch ist es schön, wenn Leser dieses Blog-Instrument immer mal wieder nutzen. Nun zum eigentlichen: Ja, Sie haben recht. Möglicherweise (sinnigerweise) hat das Herr Gerhardt gesagt, nur hatte ich dieses Zitat zu eng an Ihrem Namen stehen. Die Spannung, die sich aus dem Ausspruch „Den Menschen helfen kann nur der Mensch“ und Pfarrer ergeben hat, war ein wunderbarer Plot für eine schöne Geschichte. Was ich als mitdenkender Journalist natürlich aufgreife. Mein Vorschlag zur Güte: Wir lassen die Geschichte, aus der eine theologische Grundsatzdiskussion entstehen könnte, nun so stehen. Ich bitte Sie mir meine Ungenauigkeit zu verzeihen. Sie laden mich mal zu einem Ihrer Gottesdienste ein und ich spendiere Ihnen – wenn Sie denn mögen – ein Bierchen. Denn am Ende hilft stets Gott dem Menschen, der den Menschen hilft. Das würde sicher auch in Ihre theologische Einstellung passen.
      Ein ebenfalls noch nicht vom Glauben abgefallener Schreiber mit Fehlern dann und wann.

      Herzliche Grüße Dieter Preuss

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