Gemütlich war’s beim 11. Briggewoogfest in Zeilhard

Charmantes Zeilharder Relikt: die Briggewoog!

Gut drauf die Briggewoog-Aktiven vor dem Briggewooghäusche (von links): Mandy Ohlich, Ulrich Vonderheit, Rita Kayser, Jan Christopher Sauerwein, Jürgen Kayser, Heidrun Sauerwein und Kutscher Karl Vonderheit.

Reinheim/Zeilhard. Frischgezapftes Bier, knuspriger Fleischkäse und schmackhafter  Weck sowie ein paar nette Genossen am Tisch und halbwegs ordentliches Wetter – schon ist so eine lockeres Treffen am Briggewooghäusche ein rechtes Vergnügen. Ohne Schnickschnack, ohne Hammer Gigs! Wie  am vergangenen Samstag in Zeilhard. Denn dort feierten die Interessengemeinschaft „Briggewoog“ und der Freizeitclub Zeilhard ihr Briggewoogfest. Und das nun zum elften Mal seit dem Jahre 2000.
Damals entschlossen sich drei Zeilharder Landwirtfamilien, den Betrieb der alten Brückenwaage in der Ortsmitte zu übernehmen und somit die fast hundertjährige Waage für die nächsten 100 Jahre zu erhalten. Denn die Familien Vonderheit, Sauerwein und Kayser können die wiegende Brücke (100 bis 7500 Kilogramm) noch sinnvoll nutzen, wenn sie wissen möchten, wie schwergewichtig und wertvoll  ihre Heu- und Getreideernten sind. Als es um „Sein oder Nichtsein“ für die Briggewoog ging, boten die engagierten Zeilharder der Stadt Reinheim an, weiter  für die Erhaltung und Eichung der Waage zu sorgen. Und die Stadt freute sich und gab die alte Schenk Waage in die Obhut der Bewahrer.
Ulrich Vonderheit, einer der Briggewoog-Aktiven, ist stolz auf die perfekt erhaltene Brückenwaage, die auch gerne mal zur Gaudi genutzt wird: „Da wird auch der gesamte Grenzgang drauf gewogen oder eine Hochzeitsgesellschaft. Das ist einfach Spaß und bringt uns für die Erhaltung der Waage ein paar Euro in die Kasse. Denn schließlich kostet allein die amtliche Eichung 600 Euro – alle drei Jahre.“ Um diese Kosten wieder reinzubekommen, feiern die Zeilharder ihr Briggewoogfest. So einfach ist das. Mit dabei auch Senior und Briggewoogfestkutscher Karl Vonderheit, der mit seinem Zweiergespann die wilde Kinderschar durchs Dorf kutschiert. Derweil Mama, Papa, Oma, Opa ihre Schwätzchen am Briggewooghäusche halten.
„Früher hat man auf so einer Waage neben Getreide und Heu auch Schweine, Kühe und Rinder gewogen. Heute wird sie nur noch rund 15 bis 20 Mal im Jahr genutzt. Wir Nebenerwerbslandwirte können sie halt noch ganz gut gebrauchen“, so Ulrich Vonderheit, hauptberuflich Gärtner beim Landkreis und nebenberuflich Bauer und Landwirt  mit Schweinen, Pferden, Rindern, Hühnern, Tauben und Hund. An diesem Abend dient die Waage nicht dem Wiegen, sondern mehr dem Spaß der Kleinen, die die Brücke wie eine Art Schaukel in Bewegung halten. Auch das ein schlichtes, aber einzigartiges Zeilharder Vergnügen! Am Tag drauf ist die Brücke wieder durch Stahlplatten und Sperrpfosten arretiert und gesichert.
Text/Bild: Dieter Preuss

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