Gesundheitswesen früher in Reinheim

Gesundheitswesen früher in Reinheim

Reinheim. Nachdem in den beiden Büchnerjahren 2012/13 viele Rückblicke versuchen Georg Büchner zu erfassen, einzuschätzen, zu würdigen und zu verehren, schaut auch Reinheim auf sein Büchnererbe zurück. Es waren seine Vorfahren, die aus dem Breuberger Land nach Reinheim kamen, ihren Beruf als Bader und Chirurg, später Mediziner und Amtsarzt hier in Reinheim ausübten und das Wissen von Generation zu Generation weitergaben. Georg Büchners Großvater wirkte als hoch angesehener Kreisarzt, Mitglied in der Ratsversammlung und honoriger Bürger in dieser Stadt. Georgs Onkel übernahm die Stelle in Reinheim, der Vater Georg Büchners ging nach Goddelau. Georg wandte sich ganz in der Tradition der Familie, ebenfalls dem Medizinstudium zu.

Für die Museumsleute ergab sich daraus der Plan, die Situation der medizinischen Versorgung in vergangener Zeit einmal genauer zu betrachten. Dabei förderten sie vielfältiges zu Tage: die Badstube und den Bader in der alten ummauerten Festung Reinheim, einhundertfünfzig Jahre Gesundheitspflege durch die Herren Büchner, Feldscher, Chirurg, Medikus und Physikatsärzte als alte Berufsbilder, im ersten Weltkrieg das Lazarett zur heimatnahen Versorgung verwundeter Soldaten in der heutigen Gersprenzschule, „de Dokter“, Jakob Goldmann – gelobt, verehrt und dann verjagt – als Zeuge einer schlimmen Zeit, die Hebamme Anna Pfaff, die in 38 Dienstjahren 1780 Reinheimern den Weg in diese Welt ebnete, karge Versorgungslage in den ersten Nachkriegsjahren, der improvisierte Beginn einer vielfältigen medizinischen Versorgung in Reinheim in den fünfziger Jahren, benennen in Stichpunkten die wesentlichen Facetten der neuen Ausstellung. Es ist gelungen mit Dokumenten und Gegenständen aus Archiven und von Dachböden eine anschauliche Beschreibung und Darstellung vergangener Lebensverhältnisse zusammenzustellen. Aus den ersten Tagen des Reinheimer Museums, wird in den Beständen ein Gebärstuhl benannt. Passend dazu fand nun der Hebammenkoffer von Frau Pfaff den Weg in das Museum. Ein Briefwechsel, aufbewahrt im Stadtarchiv, zeigt uns, dass 1929 eine Anforderung aus der Hebammenschule auf den Schreibtisch des Bürgermeisters flatterte, er möge seiner Hebamme doch dringend eine Ergänzung ihrer Hebammenausstattung bewilligen. Die Bedarfsliste war beigefügt.
Die Ausstellung im Museum Reinheim,ist sonntags von 14.30–17.00 Uhr zu sehen. Die Besucher können sich bis zur Sommerpause im Juli selbst ein Bild machen.

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