Grandezza im Odenwald: Schloss Lichtenberg

Edith Kleinhenz als Turmbläserin vorm Schloss Lichtenberg am Tag des offenen Denkmals

Lichtenberg. Ist doch herrlich, dass es im Odenwald einen solch würdevollen Prachtbau gibt. Das Renaissanceschloss Lichtenberg in Fischbachtal zeigte am vergangenen Sonntag, am Tag des offenen Denkmals, neben seiner Pracht auch die dunklen, mittelalterlichen Räume, Ecken und Keller der Vorburg. Die Geopark-vor-Ort-Begleiter Fischbachtal führten die Besucher in Marstall, Zentscheuer und Burgschmiede und erzählten dazu erhellende und spannende Geschichten. Faszinierend am Schloss sind aber nicht nur das Geheimnisvolle der Vorburg und die grandiose Architektur „uff dem lichten Berge“ überm Fischbachtal, sondern die Vielfalt kultureller Angebote. Hier handelt es sich um ein Denkmal mitten im Leben der Menschen dieser Region. Lebendig mit Konzerten, Theaterspielen, Jazz-Sessions, Volkstümlichem, Märkten, Museum, Galerie und seit 2011 einem extrafeinen Standesamt in den ehrwürdigen Räumen hoch über Wald und Wiesen. Hier zu heiraten ist von besonderer Qualität. Davon überzeugt ist auch Anna Klein, Standesbeamtin der Gemeinde und am Tag des offenen Denkmals auch Werberin für romantische Trauungen im Schloss: „Wir machen für die Hochzeitspaare sehr viel möglich, standesamtliche Trauung, kirchliche Trauung in der Kapelle, Sektempfang, Bankett im Kaisersaal – bei uns wird die rundum perfekte Hochzeit organisiert. Und für Heiratslustige haben wir in diesem Jahr noch ein paar Termine frei!“ Interessierte rufen einfach in der Gemeindeverwaltung Fischbachtal an und vereinbaren einen Besprechungstermin.

Das Besondere am diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ war das Motto:“ Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ Bei der hessenweiten Eröffnungsveranstaltung am vergangenen Samstag in Darmstadt machte Staatssekretär Dr. Rudolf Kriszeleit vom Justizministerium deutlich, worum es bei einem solchen Tag geht: das Bewusstsein der Menschen für die eigene Geschichte zu schärfen. Kriszeleit wörtlich: „Und unbequeme Denkmäler fordern dazu auf, sich mit den dunklen Seiten unserer Geschichte auseinanderzusetzen.“ Unter den bundesweit mehr als 7500 Denkmalen gibt es neben schönen Burgen, Schlössern, Kirchen, Museen und Privathäusern auch viele Denkmale mit dunklen Seiten, mit schrecklicher Vergangenheit. Sie erinnern an die Abgründe unserer Geschichte von Gewalt, Verbrechen, Diktatur. Oder unbequeme Denkmale, wie hässliche Betonbauten, Hochhäuser oder auch ein Haus in Michelstadt, das viele für einen Schand eck im properen Städtchen halten: das im Jahre 1831 erbaute Biedermeierhaus an der Kellereibergstraße. Seit nunmehr 12 Jahren ist es unbewohnt und verfällt. Ein für die Michelstädter unbequemes Denkmal, das Maximilian Promny und Hans Winter kürzlich erworben und in die Hessische Denkmalliste haben eintragen lassen. Damit soll ein weiteres historisch architektonisches Juwel in der Stadt entstehen. Text/Bild: Dieter Preuss

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