Grenzgänger am Abgrund

Am Abgrund im Crumbacher Herrnwald, Mann mit Hut inmitten der Grenzgänger ist Revierförster Andreas Ott, links versteckt hinterm Baum, ebenfalls mit Hut, der Gastgeber des „Crumbacher Grenzgangs“, Bürgermeister Eric Engels. Text/Bild: Dieter Preuss

Am Abgrund im Crumbacher Herrnwald, Mann mit Hut inmitten der Grenzgänger ist Revierförster Andreas Ott, links versteckt hinterm Baum, ebenfalls mit Hut, der Gastgeber des „Crumbacher Grenzgangs“, Bürgermeister Eric Engels.      Text/Bild: Dieter Preuss

Fränkisch-Crumbach. Heimat erkunden in Grenzgängen ist ja seit Stephan Thomes Romandebüt „Grenzgang“ und der Verfilmung dieser hessischen Provinz-Lovestory nicht mehr so verstaubt und von hintervorvorgestern. Im Gegenteil: Heute und morgen könnten Grenzgänge zum beständigen Feste-Zyklus einer Gemeinde gehören. Also neben Kerb, Markt, Weihnachtsfest auch so ein Grenzgang mit Blaskapelle, den Honoratioren der Gemeinde, ein paar fröhlichen Reden auf das Wohl der Verantwortlichen, der herrlichen Landschaft sowie auf das Wohl der Werktätigen und deren Schaffenskraft. Anschließend eine ordentliche, gemeinsame Brotzeit in Wald und Flur mit fröhlichem Ausklang am Nachmittag. In einigen Gemeinden funktioniert das ja recht gut, in anderen könnte noch etwas „angeschoben“ werden.

Am vergangenen Sonntagvormittag waren in der Fränkisch-Crumbacher Ortsmitte und in Wald und Flur bei blau-weißem Himmel und Sonnenschein einige Grenzgänger unterwegs. Denn Bürgermeister Eric Engels hatte zu dieser Wanderung eingeladen. Gestartet wurde der „Gang der Grenze lang“ kurz nach 9 Uhr im Rathaushof, vorbei am Schwimmbad und hinein in den Herrnwald. Hier waren die Steigungen für den einen oder anderen Grenzgänger bei forciertem Tempo der Anführer atemberaubend. Deshalb umso beruhigender die fürsorgliche Begleitung durch einige DRK-Helfer und -Helferinnen. Da fühlte man sich gleich beschützter angesichts der abgründigen Grenzerfahrungen in Crumbachs Wäldern. Angeführt wurde die Grenzdelegation von Revierförster Andreas Ott, der den Teilnehmern einiges über die Gersprenztaler Landschaft im Allgemeinen sowie über die Forstwirtschaft im Speziellen erzählte.

Zum Beispiel über den Sonnenbrand der Buchen und deren Rotkerne und Weißfäule oder über Nadelholzhorste, mit denen der Waldbauer eigentlich sein Geld verdiene. Heiß diskutiert wurde an der Heilsruhe, dem Rastpunkt der Crumbacher Grenzgänger, über die „Kleinwalderei“ im vorderen Odenwald. Das 1.740 ha große Gersprenztaler Revier hat folgende Eigentümer: 480 Kleinwaldbesitzer, 2 Gemeinden, 2 Barone und den Staat. Angesichts dieser Gemengelage ging es um Verpflichtungen und Verantwortung der Waldbesitzer bezüglich nachhaltiger Bewirtschaftung und Pflege des Waldes sowie den Schutz der Waldnutzer, also Spaziergänger, Wanderer, Radfahrer etc., vor möglichen Gefahren umstürzender Bäume. Christoph Kronburg und Andreas Ott diskutierten darüber, inwieweit Waldbesitzer öffentlich (Gemeinde, Forstamt etc.) verpflichtet werden können, in ihrem Wald etwas Bestimmtes zu tun bzw. zu unterlassen. Was Kronburg in der Hypothese als Einschränkung der freiheitlichen Grundrechte wähnte, sah Förster Ott eher als Verantwortung des Einzelnen gegenüber des Wohles der Gemeinschaft. Was doch so ein Grenzgang für philosophische und politische Fragen aufwerfen kann. Weiter ging’s dann über das Teufelsrech und den Weißen Stein Richtung Gulaschkanone im Betriebshof.

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