Großer Anklang beim Gottesdienst und Windlücken-Sommerfest

„Geh aus mein Herz und suche Freud“

Pfarrer Treblin und ein Teil seiner Gemeinde beim Gottesdienst auf der Windlücke. Text/Bild: Dieter Preuss

Reinheim. Wanderer und Spaziergänger auf der Windlücke in Reinheim hörten am vergangenen Sonntagmorgen in Wald, Feld und Wiese Posaunenklang und fröhlichen Gesang: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit.“ Rund 150 Stimmen gaben dieser Aufforderung Kraft und Melodie. Menschen, die sich auf der (Großherzog) Ernst-Ludwig-Höhe – so die amtliche Bezeichnung für die „Windlücke“ – trafen, um zusammen mit den beiden Reinheimer Pfarrern Gerhard Siegert und Hans-Georg Treblin einen evangelischen Freiluftgottesdienst unter alten Eichen und Ahornbäumen zu feiern. Eingeladen dazu hatte der Obst- und Gartenbauverein Reinheim und Ueberau. Schon seit 32 Jahren feiern Obst- und Gartenfreunde, Christen und gesellige Menschen ihr Sommerfest auf der Windlücke, die wohl so heißt, weil dort stets ein frisches Lüftchen weht. „Ins Leben gerufen wurde das Familienfest seinerzeit von Karl Stuckert“, so Willi Röder, Vorstandsvorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins. Und weiter erzählt er: „Motivation und Ziel dieser Veranstaltung im Freien war und ist die Verbindung von Glaube, Religion und Fröhlichkeit. Mehr eigentlich nicht, denn Gewinne machen wir hier nicht. Die Preise für Essen und Trinken haben sich in den letzten Jahren nicht erhöht.“
Und doch fällt es den Organisatoren dieses Sommerfestes von Jahr zu Jahr schwerer, die Dinge zu tun, die solch ein Fest gelingen lassen: „Unsere Helfer für diese Veranstaltung sind teilweise 80 Jahre alt und mit dem Nachwuchs sieht es hier im Verein nicht so gut aus“, klagt Röder, freut sich dann aber umso mehr über die große Zahl der Besucher des Gottesdienstes wie auch des anschließenden geselligen Beisammenseins bis in die Abendstunden hinein: „Wenn 150 Leute schon beim Gottesdienst sind, dann rechnen wir über den Tag hinweg mit rund 300 Gästen. Das ist schon ein feiner Erfolg!“ Eine Geschichte am Rande trägt auch der Reinheimer Heimatforscher Wilhelm Stuckert bei: „Ihr wisst ja, dass hier früher auch der Reinheimer Weinberg  war. Und direkt nebenan auf dem Galgenberg sollte vor einigen Jahren, als der Galgen noch in Betrieb war, ein Bösewicht für einige Freveltaten büßen. Die Schlinge lag ihm schon um den Hals als der Bürgermeister ein Herz zeigte und dem Todgeweihten zum Troste noch einen Becher Wein anbot. Da fragte der Delinquent den Bürgermeister: ‚Und woher kommt dieser Wein?‘  ‚Ja hier von unserm Weinberg!‘, antwortete dieser. Nach der Überlieferung waren die letzten Worte des Mannes am Galgen: ‚Um Himmelswillen! Nix wie ruff!‘“ Neuerdings versucht man es ja wieder mit dem Weinanbau in Reinheim – mal sehen, wie dieser Tropfen gelingen wird.
Richtig gut gelungen war das Sommerfest auf der Windlücke mit all seinen kleinen und großen Attraktionen. Was unter anderem auch dem Posaunenchor aus Groß-Bieberau unter der Leitung von Uwe Buchwald zu verdanken war. Dieser spielte mit seinen Musikern herzerfrischend auf und vermittelte genau die Stimmung, die ein solches Fest in freier Natur unvergesslich macht.

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