Hagen und der lahme Schneider

Reinheim. Der Nieder-Ramstädter Schriftsteller Dieter Zeitz legt ein höchst unterhaltsames und spannendes Buch mit fünfzehn Kurzgeschichten und Erzählungen vor, die thematisch und stilistisch immer eigenständig sind. Titel: Onkel Karl und andere Störfälle.

Die Orte des Geschehens: Oberhessen, Oberbayern, im Theater, im Konzertsaal, Spanien, die Türkei, Indien. Im Zentrum aber der Odenwald! Immer handeln die Geschichten von Menschen, die durch ein Ereignis verstört und aufgeschreckt werden oder die etwas tun, was andere verstört, auch den Leser.

Da rechnet am Siegfriedsbrunnen bei Grasellenbach ein sechsjähriger Bub endlich mit Hagen ab, dem Mörder des blonden Nibelungen-Helden. Und in der Erzählung „Der lahme Schneider“ inspiriert das Sühnekreuz in der Nähe der Wegscheide zwischen Grasellenbach und Unter-Ostern den Erzähler zu der Vorstellung, wie es wirklich gewesen sein könnte, dass um 1700 ein hinkender Schneider aus Ober-Ostern ermordet wurde. Dem Erzähler drängen sich da gleich zwei mögliche Lösungen auf. In einer dritten skurrien Version ironisiert er sich selbst und seine Phantasien. Es gibt viel zu entdecken in diesen Geschichten, die von Ernst zu Humor und auch Spott und wieder zu Tragik wechseln. Sprachlich und kompositoisch sind sie überzeugend gestaltet, eine höchst lesenswerte Entdeckung. Books on Demand, 12,90 Euro.

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