Hannelor Walz-Kirschbaum – Reinheim

Hannelor Walz-Kirschbaum

Als Frauenbeauftragte der Stadt Reinheim setzt sich Hannelore Walz-Kirschbaum für die Belange der weiblichen Bürgerinnen ein. Sie unterstützt und berät in allen Fragen des Alltags, initiierte verschiedene Gruppen und ist ein wahres Organisationstalent. Hannelore Kirschbaum wurde 1947 in Bad Urach geboren und verlebte dort eine schöne, behütete Kindheit, bevor sie mit 15 Jahren in ein Internat im Schwarzwald ging. In der dortigen Fachschule absolvierte sie zugleich die Ausbildung zur Kinderpflegerin und konnte anschließend bereits mit 18 Jahren als Kindergartenleiterin in Gomardingen tätig werden. „Das war damals etwas Besonderes als so junge Frau eine solche Aufgabe zu übernehmen, aber es war eine Zeit, in der es wenig Erzieherinnen gab“, erklärt die heute 62-Jährige. Bei einem Dorffest lernte sie dort ihren späteren Mann Hans Jürgen Walz kennen. Da dieser jedoch in Kassel studierte, suchte sich Hannelore Kirschbaum bald eine Stelle in seiner Nähe. Diese fand sie als Kindergartenleiterin in Fuldabrück.

Das junge Paar heiratete 1971 in Kassel und bekam im Laufe der nächsten Jahre vier Töchter: Meike (1976), Lena (1979), Anne (1985) und Margit (1986). 1976 zog die damals noch kleine Familie nach Darmstadt, da der Mann dort eine Stelle als Lehrer erhielt. Als ihre erste Tochter aus dem Gröbsten heraus war, holte Hannelore Walz-Kirschbaum ihre Fachhochschulreife nach und absolvierte eine Zusatzausbildung in Rhythmik, bevor die Familie 1979 nach Reinheim zog. Solange die Töchter klein waren, blieb Frau Walz-Kirschbaum in erster Linie zu Hause, machte sich jedoch selbstständig und baute eine eigene kleine Musikschule auf. „Ich habe 18 Jahre lang rhythmisch-musikalische Früherziehung für Kinder angeboten“, berichtet Hannelore Walz-Kirschbaum, die den letzten Kurs 2001 auslaufen ließ. Bei vier Kindern und Beruf wurde bald klar, dass Unterstützung nötig war. Viele Jahre hatte die Familie daher Au-pair-Mädchen, was der Mutter etwas Freiraum für den eigenen Beruf einbrachte und für ihre Mädchen eine wertvolle Bereicherung darstellte.

Wie organisatorisch schwierig Betreuung ist, wenn die Kinder sowohl in den Kindergarten als auch in die Schule gehen, stellte die Reinheimerin 1989 gemeinsam mit Freundinnen fest. So kam es, dass sie gemeinsam ein Frauenzentrum gründeten, in dem unterschiedlich kompetente Frauen sich engagierten und in dem es eine Frauen-Kinder-Gruppe gab. Auch politisch waren die Frauen tätig und schafften es, eine Grundschule mit festen Öffnungszeiten durchzusetzen. 1992 wurde ein Betreuungsverein initiiert, was als konkrete Hilfe von berufstätigen Frauen dankbar angenommen wurde. Da ihre eigenen Kinder größer wurden, engagierte sich Hannelore Walz-Kirschbaum im Vorstand des Frauenzentrums. Doch die Arbeit im Frauenzentrum war ehrenamtlich nicht mehr zu leisten, zu umfangreich wurde das Angebot und der Bedarf an Beratung und Information. Es wurde nach einer Kombilösung gesucht: Die heute 62-Jährige wurde Frauenbeauftragte und Gleichstellungsverantwortliche der Stadt Reinheim und leitete zudem das Frauenzentrum. Seit 2000 initiiert die vielseitig Engagierte die Aktion „Frauen aktiv in Kunst und Kultur“ – in diesem Jahr unter dem Motto „Lebenslinien“. „Etabliert hat sich ein internationales Frauenfrühstückstreffen, was freut mich wirklich. Es ist wichtig, dass man sich ohne Belehrungen trifft, austauscht und besser versteht“, so Hannelore Walz-Kirschbaum, der die Arbeit mit Migrantinnen ebenso wichtig ist, wie die im Rahmen des „Lokalen Bündnisses für Familie“ geschaffenen Angebote für die ältere Zielgruppe. Darüber hinaus setzt sie sich für die „Freiwilligenagentur Reinheim“ ein. In ihrer Freizeit liest die Gersprenztalerin sehr gerne, ist im Garten aktiv oder verreist. „Die ganze Familie liebt die Atlantikküste südlich von Bordeaux. Sand, Pinien und Meer – das ist für uns Erholung pur“, lächelt Hannelore Walz-Kirschbaum, die sich schon jetzt Gedanken darum macht, wie es mit dem Frauenzentrum, das Ende 2010 sein 20-jähriges Jubiläum feiert, weitergehen kann. Denn in zwei, drei Jahren will sie aufhören und möchte mehr reisen. (me)

Für das Anzeigenblatt Gersprenztal stand Hannelore Walz-Kirschbaum Rede und Antwort:

Wenn Sie Königin von Deutschland wären, was wäre Ihre erste Tat?
Walz-Kirschbaum: Anstelle der vielen bürokratischen Hürden, die es in der Gesellschaft gibt, würde ich für mehr kreative Lösungen sorgen und grundsätzlich mehr Frauen an die Macht bringen.

Sie haben drei Wünsche frei. Nennen Sie uns diese bitte.
Walz-Kirschbaum: Ich wünsche mir Gesundheit für die ganze Familie, für alle Töchter einen Arbeitsplatz, mit dem sie zufrieden sind, und einen Mäzen, der den Umzug des Frauenzentrums finanziert.

Welcher Mensch in Ihrem Leben hat den größten Eindruck auf Sie gemacht?
Walz-Kirschbaum: Es sind zum einen die vielen Frauen, denen ich im Alltag begegne und die so viel leisten, ohne hervorgehoben zu werden. Darüber hinaus hat mich Senta Trömel-Plötz, eine feministische Linguistin, sehr beeindruckt. Sie hat mir bewusst gemacht, was Sprache und Benennen bedeutet. Das war ein wahres Aha-Erlebnis für mich.

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