HSE Biogas Pilotprojekt startet an einer bunten Wiese

Alles wird gut – oder?

Reinheim/Ueberau. Ende August stand eine Blühwiese unterhalb der Hundertmorgen im Mittelpunkt des Interesses. Hessischer Rundfunk, Hitradio FFH, RTL, SAT 1, Darmstädter Echo, alle interessierten sich für den rund 1,5 Hektar großen Wildblumenacker in Ueberau. Angelegt und gepflegt von Dieter Göbel, Vorstand der Dieburger Jägerschaft. Ein Acker, der mit Sonnenblumen, Malven, Flockenblumen, Eibisch und Königskerzen Reh, Hasen, Rebhuhn, Vögeln, Kleintieren sowie Insekten Lebensraum und Schutz bietet. Der die Biene mit Nektar versorgt, dem Poeten das malerische Landschaftsbild ermöglicht, dem Imker die Honigproduktion erleichtert, dem Landwirt eine gute Tat und ein paar Euro Einnahmen ermöglicht und dem Darmstädter Energieversorger HSE Biomasse zur Gasproduktion gedeihen lässt. Damit sind die Hauptakteure dieses Blühwiesen Meetings in Ueberau genannt: Michael Schlegel, Bereichsleiter Biogas HSE, Nikolaus Brettschneider vom Landesjagdverband Hessen, Hans Plößer vom Kreis- Imkerverein, Walter Schütz vom Regionalbauernverband und Dieter Göbel, Heger, Jäger und Landschaftspfleger. Jeder Einzelne, wohl mit unterschiedlicher Interessenslage, ermöglicht das Projekt „Netzwerk Lebensraum Feldflur“. Die monetäre Zielgröße dabei ist die Biogasgewinnung aus Wildpflanzen. Gut für das Gewissen und die deutschen Klimaziele. So perfekt kann Leben sein!

Kann Leben so perfekt sein? Lobenswert ist, dass die HSE die Energie- Effizienz von Wildblumen auszuloten versucht. Lobenswert auch, wenn es sich dabei um kein politisches Ablenkungsmanöver von der „Vermaisung“ unserer Landschaft handelt. Wer in diesem Sommer durch den Odenwald wandert, steht trotz Sonnentag oft im Dunkeln. Rechts Mais, links Mais, vorne Mais und hinten Mais. Teilweise 3 Meter hoch. Was ist da passiert? Da waren vormals Wiesen und Weizenfelder! Das Zauberwort heißt HSE Biogas. Dabei stoßen wir nicht nur auf ein landschaftlich ästhetisches, sondern auch auf ein ethisches Problem. Mais ist ein nahrhaftes Getreide, das in vielen Kulturen als Basisnahrung gilt. So wie hier die Kartoffel oder in Asien der Reis. Hier erhält der Landwirt Geld dafür, dass Mais nicht als Nahrung, sondern als Wärmeoder Treibstofflieferant genutzt werden kann. Ganz zu schweigen von möglicherweise Nitrat belasteten Böden, weil man aus Mais viel Biomasse gewinnen will. Im Vergleich dazu ist die Blühwiese eine wunderbare Sache.

Dieter Göbel macht sich schon seit Jahren stark für den Wildblumenacker. Lange bevor die Blumen als regenerativer Energielieferant ein Thema waren, legte er zusammen mit den Landwirten, von denen er sein Jagdrevier pachtet, Blühwiesen an. Einfach, um der Vielfalt des Lebens und der Landschaft eine Chance zu geben. Schön, wenn das in Zukunft auch die HSE zusammen mit den Landwirten machen wird.                                                                                               Text/Bild: Dieter Preuss

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