Jürgen Ross – Lindenfels

Die Liebe zu Historischem und zur Musik wurde Jürgen Ross offenbar schon in die Wiege gelegt. Daher machte der Lindenfelser sein Hobby zum Beruf und verschrieb sich dem Dudelsackbau.
Jürgen Ross wurde im März 1958 im 1890 erbauten Fachwerkhaus seines Urgroßvaters in Lindenfels geboren. Dieses Haus zog ihn so in seinen Bann, dass er nicht nur seine Kindheit und Jugend dort verbrachte, sondern auch heute noch darin lebt und arbeitet. Bereits während der Schulzeit in seiner Heimatstadt entwickelte der Heranwachsende seine musikalische Ader: Der Blockflöte folgte bald der Akkordeon-Unterricht, doch das war erst der Anfang.
Zeitgleich zum Beginn seiner Lehre zum Verwaltungsangestellten im Landratsamt Heppenheim, wo er bis 1990 tätig war, kam Jürgen Ross 1974 erstmals mit historischen Musikinstrumenten wie dem Dudelsack, der Drehleier und Krummhörnern in Berührung. „Diese eher zufällige „Begegnung“ mit diesen Instrumenten war so faszinierend für mich, dass ich begann dafür Geld zu sparen und sie mir nach und nach anzuschaffen“, berichtet der Musikbegeisterte. Nachdem er seine erste Sackpfeife, wie der Dudelsack auch genannt wird, besaß, wollte ihm jedoch nicht einleuchten, warum solch ein über die Jahrhunderte hinweg bewährtes Instrument nicht besser funktionierte. Die Neugier und der Wunsch es besser machen zu wollen, spornten den damals handwerklich nur wenig Begabten an, selbst einen Dudelsack zu bauen. So kaufte er sich Werkzeug sowie entsprechendes Material und ging ans Werk. Dabei ließ sich Jürgen Ross auch nicht von Fehlern und Rückschlägen abschrecken. Er nahm diese vielmehr an und lernte daraus. „Ende der 70er-Jahre hatte ich meinen ersten ordentlichen Dudelsack gebaut, was Ansporn genug war, weiter zu bauen und neue Techniken zu entwickeln“, so der Lindenfelser, der Mitte der 80er-Jahre erste Ausstellungen besuchte, um neue Eindrücke zu sammeln und sich gleichzeitig ein Bild von der Konkurrenz zu machen. 1990 entschied sich Jürgen Ross dann, sein Hobby und seine musikalische Leidenschaft zum Beruf zu machen – eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat. Zu Beginn seiner Selbstständigkeit spezialisierte er sich auf den Bau von Renaissance-Dudelsäcken. „Der Dudelsackbau ist das „In-den-Griff-kriegen“ von schwingender Luft in Hohlräumen“, sagt der ambitionierte Musiker und Instrumentenbauer schmunzelnd, der sich selbstverständlich auch intensiv mit der Instrumentengeschichte beschäftigt hat.
Neben der Konstruktion kommt es beim Dudelsackbau auf das richtige Gespür, ein gutes Gehör, die entsprechende Erfahrung – und eben die geeigneten Materialien an. Diese sucht der Lindenfelser mit viel Liebe zum Detail aus. Der Experte verwendet u. a. das Holz der Elsbeere, ein seltenes Holz, das hart ist, sich gut verarbeiten lässt und eine schöne Maserung hat. „Dudelsäcke aus diesem Material haben einen guten Klang“, erklärt Jürgen Ross, der nur Holz verwendet, das über zehn Jahre bei ihm gelagert hat. Ebenfalls mit großer Sorgfalt werden das Leder für den Balg ausgewählt sowie die Rohrblätter für die Dudelsäcke hergestellt.
Jürgen Ross fertigt für seine Kunden in der Regel individuelle Dudelsäcke je nach Optik und Klang. Damit diese wissen, wie ihr persönliches Instrument später sein kann, lernen sie zunächst auf einem Schülermodell zu spielen. „Nach einem halben oder einem Jahr sind dann die genauen Vorstellungen gereift, wie und aus welchem Material das Einzelstück werden soll“, weiß der Instrumentenbauer, der einfache Modelle innerhalb von zwei bis drei Tagen bauen kann. Länger dauert es dann schon einmal, wenn z. B. geschnitzte Figuren einen Mittelalter-Dudelsack zieren sollen.
Durch den Dudelsackverkauf entstand rasch auch die Nachfrage nach Kursen, um die Spieltechniken der Renaissance und die Verzierungsnoten dabei zu erlernen. So kam es, dass Jürgen Ross ab Mitte der neunziger Jahre Anfänger- und Fortgeschrittenen-Kurse anbot und bereits vorher bei Kollegen als Referent bei deren Kursen tätig war. Das Unterrichtsprogramm wurde im Laufe der Jahre bis hin zu Profikursen ausgebaut, für die er mit qualifizierten Fachleuten der einzelnen Zeitepochen und Instrumententypen zusammenarbeitet.
Über das Dudelsackspielen hatte der vielseitig Interessierte vor über 20 Jahren auch seine Lebensgefährtin kennengelernt, die ihn seit zehn Jahren bei seiner Arbeit tatkräftig unterstützt. Wenn es ihre Freizeit erlaubt, dann musizieren die Beiden gerne zusammen – auch mit anderen Instrumenten, die musikalisch gut mit dem Dudelsack harmonieren wie z. B. Gambe oder Portativ. Inspirierend sind für Jürgen Ross neben der Musik auch seine beruflichen Reisen nach Schottland, wo der Dudelsack als Traditionsinstrument gilt und das Spielen noch eine große Kunst ist. Hier findet der Lindenfelser auch Anregungen für eine weitere Leidenschaft: Er ist immer auf der Suche nach noch nicht rekonstruierten Dudelsäcken, die es nachzubauen lohnt. So arbeitet er momentan z. B. an einem englischen Dudelsack aus dem 18. Jahrhundert, von dem es nur eine Beschreibung, jedoch keine Abbildungen gibt.

Wenn Sie König von Deutschland wären, was wäre Ihre erste Tat?
Jürgen Ross: Wenn ich König wäre, würde ich die soziale Struktur in Deutschland gerechter gestalten.

Sie haben drei Wünsche frei. Nennen Sie uns diese bitte.
Jürgen Ross: Ich habe nur einen Wunsch und das ist Gesundheit.

Welcher Mensch in Ihrem Leben hat den größten Eindruck auf Sie gemacht?
Jürgen Ross: Mein Urgroßvater hat den größten Eindruck auf mich gemacht, weil er mir beibrachte, dass man durchaus ein Rückgrat haben darf und für seine Ziele einstehen sollte.

1 Kommentar

  1. Juergen Frohnert sagt:

    Hallo Hr.Ross Frage wer kann mir Dudelsack spielen bei bringen mobil-01520-3958395

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