Auf der Hippelsbach knallte, brannte und klang es beim Lärmfeuer

Mensch, lärmt das Feuer!

Ohren zu und durch: Spaß und Schreck lagen dicht beieinander.

Brensbach/Hippelsbach. Und da brannten sie wieder, die Lärmfeuer, auf den Höhen des Odenwalds vom Rhein bis zum Main, von der Gersprenz bis zum Neckar. An rund 35 Orten wurden am 31. März ab 20 Uhr Feuer entfacht oder Lichtsignale gesetzt, um die Bevölkerung vor marodierenden Landsknechten und angreifenden feindlichen Truppen aus den unterschiedlichen katholischen oder protestantischen Lagern zu warnen. So zumindest war es im Dreißigjährigen Krieg, als es darum ging, Leib und Leben vor dem brandschatzenden Soldatenvolk zu retten. Sich ausgedacht hatten die Signalkette wohl die Römer entlang des Limes am Neckar und Rhein, um vor anstürmenden Germanen zu warnen. Sie alarmierten (Alarm-Lärm) die nächstgelegene Station und so weiter in der Kette. Zuletzt genutzt wurde diese Fernmeldetechnik zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Danach war Schluss, denn man hatte bessere, zuverlässigere und schnellere Techniken der Informationsverbreitung. Heute ist das Lärmfeuer ein romantischer Brauch, der den Geist der Geschichte aufleben lässt. Aus der Mischung Fackeln, Feuersbrunst, Kanonenschlägen, Dunkelheit und Höhenblick im Spannungsfeld von unheimlich bis fröhlich, von romantisch bis ausgelassen (Musik, Bier, Bratwurst), von mystisch bis folkloristisch ist es eine Odenwälder Veranstaltung, die viele fasziniert. Die realistische Chancen zur größten Open Air Veranstaltung der Welt (Gebiet von rund 8.000 Quadratkilometer) haben könnte. Denn die Feuersignalkette zieht sich von Gernsheim am Rhein über die Bergstraße, dem Ohlyturm, dem Kaiserturm auf der Neunkircher Höhe über Burg Lindenfels, Lörzenbach und Brombach bis zur Tromm. Auf der anderen Seite von Schloss Reichenberg über Hippelsbach, Veste Otzberg bis zur Villa Haselburg. Zum Neckar gelangen die Signale bis nach Neckarsteinach und Hirschhorn. Im Osten gelangen die Signale von Rothenberg über Bad König, Michelstadt bis nach Vielbrunn und Osterburken.

Ein prächtiges Feuer gab‘s auf der Hippelsbach. Um 19 Uhr ging es los. Kalt war es, aber klar und trocken. Und das Feuer versprach ja Wärme. Die Stimmung war gut, die Kleinen – davon waren viele da! – warteten gespannt auf die Feuersbrunst. Das aufgeschichtete Totholz-Gebirge musste ja ein Höllenfeuer geben. Eine Gruppe von Jägern stimmte das Publikum mit Jagdhornblues ein auf das bevorstehende Lärmfeuer. Und gelärmt hat es dann prächtig: mit Vorderlader Kurzwaffen wurde geknallt und geballert, dass die Ohren davon flogen! Kurz nach 20 Uhr dann die Feuersbrunst auf der Hippelsbach. Alt und Jung, Klein und Groß hatten mächtig Spaß beim Blick in den lichten Feuersturm über dunklen Odenwaldhöhen. Text/Bild: Dieter Preuss

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