Lindenfelser Brauchtumstage und die Muse des alten Handwerks

Gut Ding will Weile haben

Die Lindenfelser Zimmersleut‘ beim Holzdohlenbohren (v. l.): Thomas Höbel, die Kleinen Paul Mohr und in Kinder-Zimmermannskluft Tom Höbel sowie am Dohlenbohrer Stefan Endler und lässig sitzend Daniel Seifert-Mohr

Lindenfels. Rund ums Lindenfelser Museum unterhalb der Burg konnten am vergangenen Wochenende die Besucher der Lindenfelser Brauchtumstage gleichermaßen staunen, lernen und genießen. Was die Arbeitsgemeinschaft „Heimatpflege und Museum“ und der Lindenfelser Verkehrsverein präsentierten war eine vitale Rundumschau über teilweise vergessene, teilweise noch lebendige Traditionshandwerke aus der Region. Wer den Müßiggang einlegte, konnte mit allen Sinnen die Wahrhaftigkeit natürlicher Materialien und vielen daraus gefertigten Qualitätsprodukten erfahren. Er konnte die Entschleunigung einer Welt spüren, die sich nicht zuvorderst über Efizienz, Hektik, Plaste, Bits und Bytes darstellt, sondern über Hinwendung zur Mechanik und zum Erschaffenen.

Staunen konnte man zum Beispiel über die Holzdohlenbohrer, die Lindenfelser Zimmersleut‘. Da wurden durchgehende Kanäle in etwa 3 Meter lange Baumstämme gebohrt – alleine mit der Kraft und Technik des Körpers und eines metallenen mechanischen Bohrers, der am großen Holzgriff von Hand gedreht wurde. Diese Dohlen hat man früher als Wasserleitungen genutzt. Lernen konnte man auch, weshalb die Cord Montur beim Zimmermann so praktisch ist: „So eine Cordhose ist nicht kleinzukriegen. Und sie ist bei oberflächlichem Schmutz einfach zu reinigen. Etwa Schlamm lässt man trocknen und klopft es einfach aus dem Cord raus. Es gibt keine praktischere Arbeitskleidung“, sagt Thomas Höbel und rückt seinen Hosenschlag korrekt über den Schuh. Staunen konnte man auch über Schindelschnitzer, Kerzenmacher, Blaufärber, Perlensticker, Drechsler und viele weitere traditionelle Handwerke.

Lernen konnte man etwas von Gabriele Hochmuth, die pensionierte Lehrerin aus Mannheim. Sie macht aus Porzellan-Tellern, -Schüsseln und -Tassen einzigartige Kunstwerke. Jedes Stück liebevoll bemalt mit Blumen- und Früchtemotiven. So eine Schüssel zum Beispiel, mit Steinpilzmotiv, muss zweimal jeweils 12 Stunden bei 800 Grad gebrannt werden. Nur so verwächst das kleine Gemälde auf feinem Porzellan fest mit der Glasur. Auch von Renate Haus aus Dieburg konnte man etwas lernen über alte Leinenqualitäten mit gewebten Schmuckmotiven auf Servietten so groß wie Handtücher. Und genießen konnte der Besucher feinste Senfkreationen aus der Heppenheimer Senfmanufaktur, mal feurig scharf, mal fruchtig mit Orange oder Mirabelle, mal würzig pikant. Ausgiebig genießen konnten die Brauchtums-Gäste auch Odenwälder Kochkäse, frisches Brot aus dem Holzbackofen, Trüffel, feine Obstbrände, Hausmacher Wurst, Dämpfkartoffel, Apfelmost, Lebkuchen, Lindenfelser Honig und andere hausgemachte Leckereien. Ach ja, Genüsse bereiteten auch die Sonne, der Leierkastenmann und der Müßiggang – denn gut Ding will Weile haben.

Text/Bild: Dieter Preuss

2 Kommentare

  1. Thomas Höbel sagt:

    Hallo lieber Fotograf vom Gersprenzer Anzeigenblatt! Das ist wirklich ein sehr schönes Foto von den Zimmermännern an den Lindenfelser Brauchtumstagen! Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns die Bilder per mail über o.g. email-Adresse zukommen lassen würden! Vielen Dank im Voraus und viele Grüße aus Lindenfels!

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