Märchen- und Sagentage schönstes Familienfest im Odenwald

Ein bricklebritscher Festschmaus

Holger Funke, Herold zu Reichelsheim, und Katja Hütte präsentieren den für zwei schwarze Schafe mit Steinpilz
gedeckten Tisch

Reichelsheim. Kinder, Kinder, Kinder … Wo man hinschaute entdeckte man die Kleinen, mal mit Zuckerwatte, mal mit Bratwurstbrötchen, Holzschwert oder Riesenlolli. Am vergangenen Wochenende hatten in Reichelsheim, der Odenwälder Märchen- und Sagenstadt, die Kinder die Macht. Und das Schönste: Wie von wohlwollender Zauberhand geführt, behielt zumindest am Sonntag im Kampf gegen dunkles Wolkengeschwader die Sonne die Oberhand. Nach einem graumelierten Samstagregen ein goldener Sonntagssegen für die Organisatoren dieser einzigartigen Odenwälder Veranstaltung: „Heute morgen dieser Sturm und Regen und heute Nachmittag bestes Wetter. Zeitumstellung und Sonne haben uns gerettet!“, sagt ein bestens gelaunter Jochen Rietdorf, Cheforganisator der Märchentage. In der Tat: Tausende strömten nach Reigels, um Theater, Moritatensänger, Schalmei und Trommel, Mittelaltermarkt, Gaukler, Ritter, Märchentanten, Feuerschlucker und Leierkastenmänner zu erleben. Ein buntes Potpourri an Eindrücken und Aktionen. Alles unter dem Motto „Tischleindeckdich“ mit „Knüppelausdemsack“ und „Bricklebritgoldesel“ als begleitende Märchenmotive. Im Zentrum des dreitägigen Reichelsheimer Festschmauses stand damit selbstredend das Essen und Trinken. Hanftaschen, Mutzbraten, Kartoffelspiralen, Wildschweinbratwürste, Knoblauchbrote, Speckkuchen, Weine, Säfte, Biere aller Art, hart und sanft Gebranntes aus Obst und Getreide, Süßes und Saures – ein wunderbarer Festschmaus, bei dem der Besucher seinen eigenen Goldesel dabei gehabt haben sollte, um dies alles mit einem kurzen „Bricklebrit!“ finanzieren und damit auch genießen zu können.

Der akademische Mittelpunkt des mittelalterlich gestalteten Volksfestes ist allerdings die Verleihung des „Wildweibchenpreis“ an Menschen, die sich rund um das Märchen wissenschaftliche oder schriftstellerische Verdienste erworben haben. In diesem Jahr erhielt die Auszeichnung der Göttinger Literatur- und Sprachwissenschaftler Professor Dr. Hans-Jörg Uther. Eine seiner zentralen Forschungsarbeiten beschäftigt sich mit der Bedeutung von Essen und Trinken im europäischen Märchen. Und genau dazu hielt er schon am Samstagvormittag einen Fachvortrag. Geehrt wurde der Märchen-Professor am Samstagabend im Reichelsheimer Regionalmuseum. Bürgermeister Stefan Lopinsky und Dr. Helmut Fischer hielten die Lobreden, Karheinz Ihrig, Vorstand der Sparkasse Odenwaldkreis, überreichte den „Wildweibchenpreis“, bestehend aus einem Preisgeld und einer von Magdalena Sattig gestalteten Wildweibchen-Skulptur. Neben „Tischlein deck dich“ spielten noch viele andere Märchen, die etwas mit Essen und Trinken zu tun haben, eine Rolle. In Geschichten, Erzählungen und Theateraufführungen waren daselbst „Granatapfel, Mohn und Zaubertee“, „Rotkäppchen“, „Zwischen Eisscholle und Wundertüte“, „Von Gaumenlust und anderen Lüsten“ (eher etwas für Erwachsene), „Der Froschkönig“, „Die Ritter der Tafelrunde“ (schön inszeniert vom Reit- und Fahrverein) und viele andere spannende Aktionen und Spiele zu erleben.

Text/Bild: Dieter Preuss

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