Mit vollem Herzen für die Gemeinde

Dr. Felipe Blanco Wißmann ist der neue evangelische Pfarrer in Reinheim.

Dr. Felipe Blanco Wißmann ist der neue evangelische Pfarrer in Reinheim.

Reinheim. Ein Bild aus seiner Grundschulzeit ist Felipe Blanco Wißmann besonders in Erinnerung: Die Kinder saßen im Religionsunterricht auf einem Teppich und hingen an den Lippen des Religionslehrers, der von Abraham und Elias aus dem Alten Testament erzählte. Für den kleinen Felipe waren das die Höhepunkte im Schulablauf.

Die Religionsstunden auf dem Teppich mögen seine Berufswahl mitbestimmt haben, doch zunächst sah es nicht unbedingt nach einem Theologiestudium aus. Blanco Wißmann – der Name kommt aus dem Spanischen und dort ist es Sitte, den Nachnamen ohne Bindestrich zu schreiben – wechselte nach der Grundschulzeit in Bielefeld aufs Gymnasium. Der Religionsunterricht gefiel ihm auch hier, er engagierte sich beim CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen). Mit 16 Jahren ließ er sich taufen, die Eltern hatten ihm die Entscheidung überlassen. Er war lange Zeit überzeugt, einen naturwissenschaftlichen Weg einzuschlagen, machte Abitur mit den Leistungskursen Chemie und Mathe – und entschied sich fürs Theologiestudium. „Theologie war für mich ein weites Feld – da kann man viel entdecken“, sagt der 39-Jährige. Das Evangelische Studienwerk Villigst unterstützte ihn mit einem Stipendium. Blanco Wißmann studierte in Münster und Heidelberg, ein Semester war er in Fribourg. Sein besonderes Interesse galt und gilt dem Alten Testament.

In den letzten Wochen seines Studiums in Heidelberg lernten er und seine Frau sich kennen, dann ging Blanco Wißmann von 2003 bis 2007 nach Zürich, wo er bei Professor Konrad Schmid seine Dissertation über die Königebücher und was einen guten und einen schlechten Herrscher ausmacht, schrieb. Sein Vikariat machte er im Anschluss in Dietzenbach- Steinberg. Yvonne und Felipe Blanco Wißmann führten vier Jahre lang eine Fernbeziehung und heirateten 2006. Warum er nicht habilitiert hat? „In der wissenschaftlichen Arbeit fehlt mir dann doch das, wofür man es macht.“ Er sehe sich als Pfarrer der Kirche, wollte in die Gemeinde, wollte das, was er gelernt hat, in den Alltag der Gemeinde bringen – „mit vollem Herzen“ – und seinen Glauben leben. „Glauben bedeutet für mich: nicht in erster Linie eine Erkenntnis, sondern ein herzliches Vertrauen auf Gottes Liebe für alle Menschen und auch für mich persönlich – und mein Leben im Alltag danach auszurichten“, sagt Felipe Blanco Wißmann. Den Bezug zu seinem Schwerpunktthema behält er bei, indem er sich im Christlich-Jüdischen Arbeitskreis engagiert, der seinen Sitz in Bickenbach hat.

Das Trampolin steht schon im Garten

Seit 1. April ist Blanco Wißmann der neue Pfarrer in Reinheim. Er folgt auf Gerhard Siegert, der nur wenige Wochen nach seiner Verabschiedung im Oktober vergangenen Jahres verstarb. Die Liebe zur Musik teilt er mit seinem Vorgänger, aber auch die Prägung durch den Schweizer Theologen Karl Barth. Das Himmelfahrtswochenende ist das Wochenende, an dem die Familie von Nieder-Roden, wo Yvonne und Felipe Blanco Wißmann beide eine Pfarrstelle hatten, ins Pfarrhaus in Reinheim umziehen wird. Noch renovieren die Handwerker die Wohnung, doch draußen im Garten steht schon das große Trampolin für die Kinder, fünf und acht Jahre alt.

Manches was Yvonne und Felipe Blanco Wißmann in Nieder- Roden eingeführt haben, bringen sie mit. Zum Beispiel das Pilgern mit Kindern am 21. Mai. Oder „Hello-Marteen“ am 31. Oktober: Die Kinder verkleiden sich, gehen von Haus zu Haus und bekommen was Süßes. Aber statt die Leute zu erschrecken, singen sie ein Segenslied, das Yvonne und Felipe Blanco Wißmann komponiert haben. „Wir setzen einen evangelischen Punkt auf Halloween“, sagt der Pfarrer. Dr. Felipe Blanco Wißmann wird am Sonntag, 8. Mai, 9.30 Uhr, in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Reinheim in sein Amt eingeführt. Im Anschluss gibt es einen Empfang im Martin-Luther-Haus, Erlenweg 8.

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