Odenwald – auf Natur umschalten

Odenwald. Es gab mal eine Zeit, in der war Wandern verpönt und von vorvorgestern. Nur „alte Spießer und Langweiler“ steckten ihre Füße in dick besohlte Wanderschuhe, schulterten ihren Rucksack, nahmen den Plaketten geschmückten Stock in die Hand und liefen los: bergauf, bergab, durch Wiesen und Wälder, durch Dorf und Stadt! Das war in etwa in den 1970ger Jahren. Heute machen sich Alt und Jung, Rapper und Volksmusiker, Mann und Frau, Rocker und natürlich noch immer die Spießer auf genau dieselben Wege. Allerdings viel besser ausgebaut und ausgezeichnet. Gründe für diesen Gesinnungswandel gibt es viele. Ein Anstoß für die aktuelle Wanderlust in Deutschland war wohl der Jakobsweghype nach dem Jahrtausendwechsel. Ein weiterer Grund ist sicher unsere digitale Hast im Alltag, für die die analoge Ruhe und Gleichförmigkeit der Bewegung (Stichwort: Entschleunigung) in freier Natur  einen körperlichen und geistigen Ausgleich schafft. Tja, und die Natur selbst hat im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion der jüngsten Dekade einen höheren Stellenwert als zuvor.

Wandern ist ja eines der archetypischen Kulturmerkmale des Menschen. Man trifft es als Leitmotiv in Film, Drama, Musik, Malerei und Literatur, seit geschrieben wird. In der Klassik wie in der Romantik und der zeitgenössischen Dichtung. Und Wandern ist auch stets Geselligkeit oft verbunden mit Gesang, Musik, Essen und Trinken. Zelebriert wird das im Odenwald von vielen Vereinen und Gemeinden mit ihren Wandertagen, den feierlichen Eröffnungen von Wanderwegen und dergleichen mehr.

Ob „Fischbachtal aktiv“, Reichelsheimer Wanderveranstaltungen oder der „Crumbacher Wandertag“, der kürzlich zum 30. Mal veranstaltet und mit großer Blaskappelle gefeiert wurde – stets kommen zu solchen Anlässen die Gäste aus Mannheim, Darmstadt, Offenbach, Frankfurt, um die  Landschaft hier zu genießen. Eine Landschaft mit mittelalterlichen Städten, urigen Landgasthöfen, mit Burgen, Schlössern, Bergen, Tälern, Wäldern und Wiesen. Eine Landschaft, die im Vergleich zu anderen Mittelgebirgslandschaften wie Hunsrück, Eifel oder Vogelsberg fast noch frei von Windkraftungeheuern ist.

Herrlich auch die vielen ausgebauten und kartierten Wanderwege. Der „Alemannenweg“ ist so ein Fernwanderweg mit rund 138 Kilometern Länge von Michelstadt über Reichelsheim ins Lautertal, weiter nach Zwingenberg und von dort zur Burg Frankenstein bis ins Fischbachtal und am Ende über Höchst wieder nach Michelstadt. Daneben gibt’s noch den Nibelungensteig, den Neckarsteig, Hugenotten und Waldenserpfad, Burgenweg, Limeswanderweg, die vielen lokalen Rundwege sowie die Geoparkpfade. Interessenten, die mehr wissen möchten, wandern auf www.odenwald.de, schalten auf Natur um und informieren sich über Wanderangebote in einer der schönsten Mittelgebirgslandschaften Deutschlands. Und dann einfach mal loslaufen oder bei einem der nächsten Wandertage mitwandern und richtig Spaß haben.

Text/Bild: Dieter Preuß

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