Odenwaldweite Lärmfeuer am 5. April 2014

Die Römer in der Region Odenwald: sie sind nicht nur Thema verschiedener interessanter Gästeführungen, die die Odenwald Tourismus GmbH gemeinsam mit der Gästeführung Odenwald anbietet. Sie sind auch stets Thema bei den Odenwaldweiten Lärmfeuern im Frühjahr. Anders als bei Winter-Austreibungsfeuern oder Hutzelfeuern sind die Lärmfeuer von ihrem Ursprung her Signalfeuer, um Warnungen schnell über große Entfernungen weitergeben zu können. Dies war von Anbeginn aller menschlichen Kommunikation eines der besten Mittel dazu. Für kürzere Strecken gab es Signalhörner und Jodler oder Pfiffe, auch Lichtsignale mittels „Schusterkugel“ konnten über kleine Entfernungen hinweg als Zeichen dienen. Sobald es aber darum ging, eine Information über weite Strecken schnell zu transportieren, war ein großes Feuer am besten geeignet. Dazu wurden Signalstationen entlang einer Signalkette in ständiger Bereitschaft gehalten, mit Stapeln von Feuerholz, aufgesetzten Heutürmen für Loderfeuer und Wachmannschaft. So wird eine Lärmfeuerstation auf der Trajanssäule – Siegessäule auf dem Forum in Rom von Kaiser Trajan (98–117 n. Chr.) – gezeigt, die das Ufer der Donau sichert. Die Loderfeuer konnten schnell gezündet werden und gaben so eine Warnung ohne Zeitverzögerung und mit großer Rauchentwicklung weiter. Die Holzstapel dienten eher als lange sichtbares Signal.

Nicht belegt, ob die Feuerlinie durch den Odenwald von West nach Ost bereits von den Römern im 2.-4. Jahrhundert nach Christus genutzt wurde. Zu späteren Zeiten ist sie belegt, mehrere Hügelkuppen von der Bergstraße nahmen die Signale vom Rhein auf und leiteten sie weiter nach Osten. Dort, entlang des Limes, hatten die Römer jeweils in Sichtweite Wachtürme errichtet und konnten beim Eintreffen eines Feuer- oder Rauchsignals von Westen schnell die in den Kastellen stationierten Truppen mobilisieren. In anderen Regionen war dies üblich, daher ist es sehr wahrscheinlich, daß die Römer sich auch quer durch den Odenwald dieser Signalmethode bedienten.

Später, vor allem während des 30jährigen Krieges, gibt es Belege für diese Nutzung, und noch bis zum 17. Jahrhundert verwendete man Feuerstationen. Dann wurde die Telegrafie entwickelt, zunächst als Semaphoren mit Hölzernen Balken auf Türmen (erfunden von Claude Chappe in Frankreich). Ab etwa 1800 schließlich wurden Konzepte zur Elektrifizierung der Telegrafie entwickelt, was die Feuerstationen überflüssig macht.

Dann gab es im Odenwald für gut 200 Jahre keine Signalfeuerlinie mehr, bis ein kleines listiges Bergvölkchen auf der Raidelbacher Höhe in der Gemeinde Lautertal auf die Idee kam, man könne diese Tradition wieder aufflammen lassen: Bürgerstiftung und Kleinkunstverein DoGuggschde entzündeten dort am 24. März 2007 ein Feuer. Sogleich kam von der Schleichhöhe zwischen Kolmbach und Winterkasten das Antwortfeuer, und die Idee war geboren. Seither wächst die Kette der Lärmfeuer jährlich weiter und umspannt inzwischen den gesamten Odenwald. Da es sich vor allem um eine Aktion handelt, die in der Region ein erstes touristisches Highlight in der Vorsaison bietet, wurde auf historische Nähe zu den Quellen weniger Wert gelegt als darauf, dass sich ein Netz aus Feuerstationen bildet, die von Gästen besucht werden können. So kann man von einem Feuer aus mehrere weitere Signalfeuer im Odenwald sehen, wenn die Dunkelheit hereinbricht am 5. April 2014. Man kann geführte Fackelwanderungen dorthin genießen, Speis und Trank am lodernden Feuer, Aufführungen von Theater, Tänzen und historischen Signalformen wie Kanonenböller oder Jagdhörner erleben. Die touristische Idee trägt seit einiger Zeit Früchte: in vielen gastlichen Unterkünften werden steigende Übernachtungszahlen verzeichnet.

Und nicht zuletzt gibt es kaum einen Menschen, Odenwälder oder Gast, der nicht gerne am Feuer steht und die Funken beobachtet. Gemeinsam mit vielen Gästen kann man so einen außergewöhnlichen Abend im Odenwald erleben, der bei vielen schon zu einem festen Eintrag im Terminkalender geführt hat: Odenwaldweite Lärmfeuer immer am Samstag um den Monatswechsel März/April. Alle Feuerveranstaltungen des 5. April 2014 sind unter www.laermfeuer.org zu finden.

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