Petra Blochius – Modautal/Lützelbach

Petra Blochius – Modautal/Lützelbach

Ein Vorbild für alle Hörgeschädigten ist Petra Blochius. Die Lützelbacherin, die eine angeborene Schädigung des Innenohrs hat, setzt sich besonders für Kinder und Jugendliche ein und bietet diverse Workshops an. Petra Blochius wurde 1967 geboren, wuchs mit einem älteren Bruder in Nauheim bei Groß- Gerau auf und besuchte dort den Kindergarten und die Grundschule. „Meine Eltern förderten mich wo und wie es ihnen nur möglich war. So konnte ich trotz meiner Hörschädigung immer auf Regelschulen gehen“, sagt die 44-Jährige, die 1986 ihre Gymnasialzeit in Rüsselsheim mit dem Abitur abschloss. Während der Pubertät war Petra Blochius Hörschädigung schlimmer geworden und beeinträchtigte sie sehr. So besuchte sie mit 18 Jahren erstmals eine Veranstaltung des Schwerhörigenvereins in Frankfurt. „Dort eröffnete sich für mich eine ganz neue Welt mit vielen Gleichgesinnten“, berichtet die engagierte Erziehungswissenschaftlerin, die daraufhin 1987 dem Verein beitrat. Ein Schlüsselerlebnis war für sie im selben Jahr das Treffen der Internationalen Jugendbegegnung in Ratzeburg, bei dem sie u. a. den hörgeschädigten Jugendleiter eines Berliner Vereins, Thomas Blochius, kennen lernte, der später ihr Mann werden sollte. 1989 wurde Petra Blochius Leiterin der Jugendsparte und ab 1991 sogar elf Jahre lang Vorsitzende des Frankfurter Schwerhörigenjugendclubs SC74.

Die junge Frau besuchte die Verwaltungsfachhochschule für die gehobene Beamtenlaufbahn in Darmstadt und war anschließend beim Regierungspräsidium in Darmstadt in der Schulabteilung tätig. Nach der Auflösung dieses Bereiches wurde die Abteilung vom staatlichen Schulamt mit Sitz in Frankfurt übernommen, für das Petra Blochius seit 1997 als Personalsachbearbeiterin tätig ist. „Meine ehrenamtliche Arbeit im Verband der Hörgeschädigten macht mir Spaß. Ich komme mit vielen Jugendgruppen und Menschen in Kontakt“, sagt die vielfach Interessierte, die von 1994 bis 1999 Schriftführerin und zweite Bundesjugendleiterin in der Bundesjugend des DSB war. Neben der Arbeit und ihrem ehrenamtlichen Engagement studierte Petra Blochius ab 1996 an der Fernuniversität Hagen Erziehungswissenschaften und absolvierte eine Weiterbildung als Audiotherapeutin. „Der Schwerpunkt lag im Bereich Altersschwerhörigkeit. Ich hielt bundesweit Seminare über den Schwerhörigenbund und engagierte mich für ältere Menschen und deren Umgang mit Schwerhörigkeit im Alter“, berichtet Petra Blochius, die 1997 ihren Thomas geheiratet hatte, mit ihm von Gravenbruch nach Weiterstadt zog und zwei Söhne, Sascha (2002) und Dennis (2004) bekam.

Vor sechs Jahren kam die Familie nach Lützelbach, wobei Petra Blochius nach wie vor viele Projekte und Vereine ehrenamtlich unterstützt. So engagiert sich die 44-jährige, die Ende der 90- er Jahre eine Innenohrprothese (das sogenannte Cochlea Implantat) und vor vier Jahren ein zweites Implantat erhielt und seitdem ihre Umwelt akustisch besser wahrnehmen kann, u. a. im Darmstädter Schwerhörigenverein und ist auch im politischen Bereich der Hörgeschädigtenverbände sowie im Deutschen Schwerhörigenbund aktiv. Momentan initiiert die Vielbeschäftigte Seminare für mobile Dienste, die Schwerhörige betreuen. Darüber hinaus beschäftigt sich Petra Blochius seit einigen Jahren mit schwerhörigen Kindern an Regelschulen. So entstand u. a. vor zwei Jahren das Projekt „Hörnix“ in Darmstadt, das Kinder und Jugendliche mit einer Hörbehinderung anspricht, regelmäßige Treffen, Erfahrungsaustausch und Veranstaltungen anbietet. Unterstützt wird das von Petra Blochius initiierte Projekt von der „Aktion Mensch“. „Am 25. September veranstaltet „Hörnix“ in Darmstadt einen Trommelworkshop. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch junge Leute aus dem Odenwald kämen“, so die Fachfrau, die zudem Wochenendseminare leitet und Kids und Jugendlichen hilft, mit ihrer Schwerhörigkeit in der Schule umzugehen. Wenn Petra Blochius neben all ihren vielen ehrenamtlichen Projekten und ihrem beruflichen Engagement Zeit bleibt, verbringt sie diese mit ihrer Familie, spielt Tennis oder Volleyball. Doch die Erziehungswissenschaftlerin hat stets neue Ideen. „Ich knüpfe schon wieder Fäden für neue Projekte, sowohl auf regionaler als auch auf bundesweiter Ebene“, sagt Petra Blochius. Wer neugierig geworden ist und mehr über die Veranstaltungen von „Hörnix“ erfahren will, kann sich gerne im Internet unter www.hoernix-darmstadt. de informieren.

Wenn Sie Königin von Deutschland wären, was wäre Ihre erste Tat? Blochius: Ich würde die ehrenamtliche Arbeit mehr fördern und Anreize schaffen, damit sich mehr Menschen in diesem Bereich engagieren.

Sie haben drei Wünsche frei. Nennen Sie uns diese bitte. Blochius: Ich wünsche mir für die hörgeschädigten Kinder, dass Inklusion bald in der Bildung verwirklicht wird, damit sie die gleichen Chancen haben wie die anderen Kinder. Mein zweiter Wunsch ist, dass wir bundesweit noch viele solcher Projekte wie Hörnix verwirklichen können. Zu guter Letzt wünsche ich mir mehr Zeit für meine Hobbys.

Welcher Mensch in Ihrem Leben hat den größten Eindruck auf Sie gemacht? Blochius: Ein hörgeschädigter Freund, der mir damals die Augen geöffnet hat und gesagt hat: „Du musst Dein Leben selbst in die Hand nehmen“. Und natürlich mein Mann Thomas.

Hinterlasse jetzt eine Antwort