Reichelsheimer Jugendchor brillierte in „Once Upon A Mattress“

Schwimmschlampe holte sich doch ihren Prinzen

Prinzessin Winnifred (3. v. l.) wird von den Zofen für den Festball in Tüll, Samt und Seide gehüllt

Reichelsheim. Auf dem Broadway des Odenwalds, genauer: Reichelsheim, konnten die Freunde exzellent bebilderter, witzig dramatisierter und melodisch untermalter Geschichten am vergangenen Samstag zum letzten Mal das Musical „Once Upon A Mattress“ des Jugendchors der Michaelsgemeinde erleben. Für die Daheimgebliebenen: Es war eine prachtvolle Show. Sprühende Spielfreude; herrliche Kostüme; nicht immer stimmgewaltige, jedoch zauberhafte Gesänge; flotte Musik, witzige Texte, die hübschesten Mädchen Südhessens, schwungvolle Tänze, exzellentes Bühnenbild,  filigran choreografierte Szenen – für Augen- und Ohrenmenschen ein Genuss. Für die Herz- und Seelenmenschen kam noch die wohlbekannte Geschichte der „Prinzessin auf der Erbse“ (Christian Andersen) hinzu. Bereits 1959 von Mary Rodgers zu dem witzigen Broadwaymusical umgearbeitet.

Was für eine Leistung! So eine Show mit rund 50 Sängern und Laiendarstellern auf die Bühne zu bringen. Hut ab vor Andrea Dippon-Meyer, der Leiterin des Musical-Projektes, und Andrea Priemer-Schranz, der Regisseurin. Ebenfalls Bühnenbild, Licht, Ton – wobei das mit den Headsets an jedem Kopf schon irgendwie nervt – und Choreografie: alles 1 A! Besonders beeindruckend für eine solche Inszenierung mit (leider!) nur regionaler und zeitlich sehr begrenzter Wirkung waren die Kostüme. Genauer, liebvoller und prächtiger geht es nicht. Hier sollte der Theater- und Musicalfreund den Hut besonders hoch ziehen vor den Leistungen der etwa 20 Näherinnen, die mehr als 80 Kostüme für Königin und König, Narr, Barde, Schmied und Jäger, Kräuterhexe und Bäckergesellen, Magier und Held (Sir Harry), Prinz und Prinzessinnen sowie für die unzähligen Hofdamen und Zofen genäht haben. Die gestalterische Leitung für diese Couture hatte Grazyna Feldkeller. Oskarverdächtig!

Nun zur Schwimmschlampe und Prinz Arglos, der um die Prinzessin Winnifred aus den schimmernden Sümpfen wirbt, weil er sich in sie verliebt und das Alleinsein satt hat: „Ich bleib allein und  find’s gemein, tagaus, tagein allein zu sein!“ Überhaupt alle am Hof und in der Stadt  finden es gemein, was Königin Migräne sich so in Tateinheit mit ihrem Magier Gemeines einfallen lässt: „Die daher geschwommene Schwimmschlampe kriegt meinen Prinzen nicht!“ Und den Statuten des Königreichs folgend, bleiben auch alle anderen Verliebten allein. Denn, geheiratet werden darf im Volk erst dann, wenn der Prinz seine Gemahlin gefunden, was die hysterische Mama (schön überzogen gespielt) unbedingt verhindern will. Doch am Ende wird alles märchenhaft gut. Ach ja, neben vielen anderen noch ‘ne tolle Rolle: Lady Lerche. Zum Verlieben schön.

Text/Bild: Dieter Preuss

Hinterlasse jetzt eine Antwort