Reichelsheimer Märchentage – eine Odenwälder Freilichtoper

Oma, was guckst du?

Reichelsheim. Der Moderne angepasst könnte ja ein nächster Leitspruch der Reichelsheimer Märchentage statt „Großmutter, warum hast Du so große Augen?“ (Rotkäppchen) „Oma, was guckst Du?“ lauten. Denn Jahr für Jahr – nunmehr zum 18. Mal – versetzen die märchenhaften Festspieltage der Reichelsheimer nicht nur die Oma in Staunen, sondern auch Opas, Mütter und Väter, Mädchen und Jungs. So auch wieder am vergangenen Wochenende in der deutschen „Märchenhauptstadt“; zumindest munkeln das schon einige Märchenexperten landauf, landab. Unter dem Motto „Spieglein, Spieglein an der Wand“ feierte die Odenwaldgemeinde von Freitag- bis Sonntagabend ihre märchenhafte Freilichtoper mit großen Festakten, Musik, Markt und Mittelalter, herrlichen Kostümen, opulenten Aufführungen auf Bühne und Straße, Wein, Weib und Gesang sowie Märchen, Märchen, Märchen.

Jochen Rietdorf, der wahrhafte Odenwälder Märchenkönig und von Amts wegen verantwortlich für Reichelsheimer Kultur und Touristik, ist begeistert über die großartige, bundesweite Resonanz der Märchentage: „Aus ganz Deutschland kommen die Menschen her, um für ein paar Stunden die Poesie der Märchen zu genießen. Das zeigt sich insbesondere daran, dass alle Kindertheater-Aufführungen rappelvoll sind. Ein Indiz für das große Interesse, insbesondere der Erwachsenen, ist die ‚Lange Nacht der Märchen‘. Am Anfang der Märchentage kamen da so 20 Leute. Am Freitagabend hatten wir rund 140 Gäste, die sich bis in den Morgen hinein, die Sinne verzaubern ließen mit Erzählungen und herrlicher Musik.“

Doch nicht nur Märchenkönig Rietdorf ist stolz auf die Reichelsheimer Veranstaltung, sondern auch sein Verwaltungschef Bürgermeister Stefan Lopinsky, für den die Märchentage ruhig bis Weihnachten andauern könnten. Zusammen mit Frau Christiane wandelten sie als mittelalterliches Kaufmannspaar (16. Jahrhundert) in maßgeschneiderten Gewändern  durch die Reihen der Untertanen, Händler, Handwerker, Spielleute, Waldgeister, Pfaffen, Alchimisten und zuweilen auch bösem Gesindel. Da und dort wurde am Samstag bei herrlichem Wetter ein Schwätzchen gehalten, ein kühlender Trunk und ein herzhafter Bissen genossen. Lopinsky begeistert: „Ich genieße das hier außerordentlich und finde es faszinierend, wie von Jahr zu Jahr mehr Reichelsheimer sich mit diesen Märchentagen identifizieren und als Mittelalterleute durch den Ort ziehen. Auch das Engagement der Vereine, des Gewerbevereins und der vielen Schausteller trägt maßgeblich zum Erfolg unserer Märchentage bei.“

Neben Zauber und Poesie der „Odenwälder Freilichtoper“ steht allerdings auch ein Bildungs- und Kulturauftrag der Gemeinde: die jährliche Verleihung des Wildweibchenpreises. Diesjährige Preisträgerin ist die Märchenerzählerin Karola Graf. Die Würzburgerin ist in Reichelsheim keine Unbekannte, denn seit 2005 erzählt sie regelmäßig  ihre Geschichten auf den Märchentagen. Diese Treue und Erzählqualität wurde somit angemessen belohnt.

Text/Bild: Dieter Preuss

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