Reinheimer Satirewoche startet ins Finale

Ach du Schreck, die Herta!

Herta Wacker aus Brensbach überbrachte den Frühstückern am Sonntagmorgen im Hofgut Reinheim eine echt schreckliche Nachricht

Herta Wacker aus Brensbach überbrachte den Frühstückern am Sonntagmorgen im Hofgut Reinheim eine echt schreckliche Nachricht

Reinheim. Es war wirklich so. Die Besucher der Satirewoche-Frühstücks-Show „sonntags um elf“ ließen sich gemütlich nieder, schlürften Kaffee und frühstückten auf angenehme Weise ihr Marmeladebrötchen; klagten keineswegs darüber, dass das Kabarett-Duo „Schwarze Grütze“ abgesagt hatte, denn der hochwertige Ersatz, Thorsten Larbig, war mit seinen Liedern und seinem Klavierspiel wunderbar und die Anmoderation von Christian Döring enthielt tatsächlich ein paar unordentlich kabarettistische Sätze. Also war alles quasi in Butter.

Bis auf den Moment, als Herta Wacker aus Brensbach in einer Art Fleischer-Kittelschürze (in Brensbach trägt man so etwas wegen der Nähe zum Schlachthof) im Heinrich-Klein-Saal auftauchte und dem genießerisch äsenden Publikum die Haare zum Stehen brachte (siehe Foto), und zwar mit der Nachricht: „Donald Trump ist unserer Rettung!“ Als zukünftiger US-Präsident würde der die Deutschen vor Chlorhähnchen bewahren. Der argumentative Weg zu dieser erschreckenden Schlussfolgerung war durchaus überzeugend. Er war ausführlich, geführt mit weiblich intuitiver Dialektik, bodenständig abgeleitet aus familiären Begebenheiten – typisch Wacker – und hatte irgendwie mit Demos gegen CETA und TTIP zu tun, war aber durchaus logisch. Und witzig!

Ein klasse Start der 24. Reinheimer Satirewoche war das am vergangenen Sonntagvormittag. Und was passte perfekter zu einer solchen Matinee im Frühstückssaal als der Auftritt von Thorsten Larbig am Klavier und einem Lied, gesungen mit zusammengebissenen Zähnen. Oder seiner musikalischen Empfehlung „Um die Trauer bei den Kindern ganz erheblich zu vermindern, sollte man beim Sterben möglichst viel vererben“. Ein locker fröhlicher Auftritt des Frankfurter Künstlers. Dann kam da noch Marlene Schwarz zum Gespräch mit Christian Döring. Adrett, modisch, jugendlich diese Marlene, die dann etwas über die Grenzen der Satire zu berichten wusste und die aus ihrem künstlerischen Leben erzählte, dazu – man glaubt es kaum – auch die Herta Wacker zählt. Leser und Leserin dieser Zeilen können sich, auch wenn sie am Sonntag nicht dabei waren, trotzdem freuen. Denn so richtig los mit Kalauern, kabarettistischen Grenzgängen, satirischen Betrachtungen und verdammt viel Spaß und Unterhaltung geht es eigentlich ab Freitag mit den Solisten Christine Eixenberger, René Sydow, Lisa Cartena und Özgür Cebe. Am Samstag der „Wettbewerb der Gruppen“ mit „2gewinnt“, „Blömer & Tillack“, dem „Herrenquartett unterwegs“ sowie mit „Fußpflege Deluxe“. Abschluss und Höhepunkt der Satirewoche ist am Sonntag ab 19 Uhr im Hofgut mit der Preisverleihung und einem kabarettistischen Showdown der Gewinner. Also hingehen, lachen, klatschen, nachdenken. Vielleicht.
Text/Bild: Dieter Preuss

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