Sind wir nicht alle supergeil?

aesthetiX oder die Lust am Rollenspiel

Supergeil gespielt: EinsteinsErben Text/Bild: Dieter Preuss

Groß-Bieberau. Eine Binsenweisheit: Die Welt ist eine Bühne, auf der jeder seine Rolle spielt. Mehr oder weniger bewusst. Der Charme des Theaterspiels an der Albert-Einstein-Schule in Groß-Bieberau ist allerdings die Bewusstheit der Rollen im darstellenden Spiel. Das ist Lernen, einfach und mitreißend! Bewiesen am vergangen Wochenende durch die Schüler und Schülerinnen mit den Bühnenstücken der englischsprachigen Theatergruppe „lifeline“ und „EinsteinsErben“. Beide Inszenierungen unter Leitung der freien Theaterpädagogin Andrea Fischer. Die „Engländer“ spielten ihre Geschichte frei nach „Peter Pan“ mit dem Begehren: „I do believe in fairies“. „Ich glaube an Feen“, Zauberer, Piraten, Abenteuer, das Böse und Gute, an zarte Mädchen und harte Kerle … All das wunderbar in Szene gesetzt und voller Spielfreude: Kinder spielen Kinder, die die harte Alltagswelt mit nörgelnden Eltern kontrastieren mit ihrer erlebnisreichen, fantasievollen, mitunter komischen Traumwelt. Das wahre Leben ist im Kopf, sonst nirgendwo – die jungen Schauspieler der AES erleben und leben es. So schön kann tiefes Lernen sein.

Die Theatergruppe „EinsteinsErben“ brachte fröhlich ein ernstes Thema auf die Bühne. Unter dem epischen (metaphorischen) Titel „Auf der Suche nach dem Geräusch im Innern des Kühlschranks“ machten sie sich eigentlich auf die Suche nach dem wahren Ich, dem Kern der eigenen Persönlichkeit. Wer bin ich? Bin ich nicht toll? Einzigartig? Supergeil? Trostlos? Einsam? Ein Narziss? Ein Opportunist, Langweiler, Melancholiker, Kreativer …? Der formale Rahmen der Selbstfindung ist eine Wohngemeinschaft, in der die unterschiedlichsten Typen irgendwie miteinander auskommen (oder auch nicht) müssen. Diesen Selbstfindungsprozess haben die Mädchen und Jungs von „EinsteinsErben“ mit Witz, Selbstironie und Re exion in jeder Minute spannend und kurzweilig auf die Bretter gebracht. Hut ab (!) vor dieser großartigen Leistung der AES-Schüler und Schülerinnen sowie der Theaterpädagogen.

Das „Darstellende Spiel“, so wie es an der Albert-Einstein-Schule von rund 200 Schülern und Schülerinnen aus allen Jahrgangsstufen sowie den Pädagogen Olaf Mönch, Tom Kittner, Anita Ledic, Gudrun Leuffen und Andrea Fischer realisiert wird, hat viele wertvolle Aspekte. Mit der Freude am Spiel lernen die Theaterleute einiges über sich selbst und ihre Wirkung (Persönlichkeit, Stimme, Mimik, Gestik, Musikalität, Haltung und Einstellung) auf andere. Die Form der Inszenierung, die in Geschichte, Dramaturgie, Szenen, Texten, Dialogen etc. in weiten Teilen von den Mädchen und Jungs im Laufe eines Jahres selbst erarbeitet wird, setzt einen Bewusstseins-Prozess in Gang, den man nicht aus Büchern lernen kann. Auf der Bühne der AES schon! Und das Publikum war begeistert.

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