Stilvoller Jubiläums-Festakt der Michaelsgemeinde

Angela Breuer, Flöte, und Matthias Ernst, Cembalo, spielen Barockmusik, Sonate op. 13 von Antonio Vivaldi vor einem begeisterten Publikum in der Reichelsheimer Michaelskirche. Text/Bild: Dieter Preuss

Angela Breuer, Flöte, und Matthias Ernst, Cembalo, spielen Barockmusik, Sonate op. 13 von Antonio Vivaldi vor einem begeisterten Publikum in der Reichelsheimer Michaelskirche. Text/Bild: Dieter Preuss

Reichelsheim. Sie liegt hoch über dem historischen Reichelsheimer Ortskern, mit idyllischem Kirchhof, umstanden von charaktervollen Gebäuden aus alter Zeit. Ein romantischer, erhabener Anblick: die 300 Jahre alte evangelische Michaelskirche. Schon im 13. Jahrhundert stand an diesem Platz ein Gotteshaus, von dem noch der spätromanische Torbogen – Treppe zur Bismarckstraße – erhalten geblieben ist. Das Erd- und Obergeschoss des Kirchturms sowie der Chorraum stammen aus der Spätgotik etwa um 1500. Das barocke Gepräge erhielt die Kirche in den Jahren 1716/18 als Teile des Turms und des Langhauses neu gebaut wurden. Aus dieser Zeit stammen auch die Kanzel sowie die Herrschaftsloge, die heute während des Gottesdienstes als Spielzimmer für Familien mit kleinen Kindern dient.
Das und noch viel mehr, konnte am vergangenen Freitag der historisch interessierte Besucher erfahren, und zwar beim Festakt zum 300-jährigen Jubiläum der Michaelskirche. Eingeladen hatte die evangelische Michaelsgemeinde, entspannt moderiert wurde die Veranstaltung von Pfarrerin Mechthild Bangert. Für die musikalisch barocke Grundstimmung sorgten zu Beginn und in den Vortragspausen Flötistin Angela Breuer und Matthias Ernst am Cembalo. Sie spielten drei Sätze der Sonate op. 13 von Antonio Vivaldi. Vor dem großen historischen Hintergrund wurde gleich zu Beginn eine überraschende Frage geklärt: Warum heißt die Kirche „Michaelskirche“? Es klingt trivial, aber ist doch wahr:  Der Grund war die Post. Denn die lieferte ihre Sendungen statt an den Rathausplatz viel zu oft an die „Krautwegkirche“. Das musste sich ändern, und zwar mit einer eindeutigen Namensgebung: So wurde vor 35 Jahren aus der evangelischen Kirche die Michaelskirche.
Tiefer  und analytischer in der Zeit bewegten sich die Referenten der Jubiläumsveranstaltung. Gerd Schwinn reiste mit seinen Erzählungen weit in die Zeit der Christianisierung des Odenwaldes in den Jahren um 700 n. Chr. zurück.

Eine Zeit, in der Reichelsheim eine Seen- und Sumpflandschaft war und nur die Anhöhe, auf der heute die Kirche steht, sicheren Fußes begangen und befahren werden konnte. Und einiges spricht dafür und kann plausibel erschlossen werden, dass auf dieser Anhöhe Mönche ein kleines Kloster errichtet hatten. Horst Wendel erzählte anschließend über die Zeit des 30-jährigen Krieges, des nachfolgenden Barocks und über den letzten regierenden Grafen auf Schloss Reichenberg, Georg Wilhelm (1686-1757), auf dessen Initiative die Michaelskirche 1716 ausgebaut und erweitert wurde. Die Kunsthistorikerin Jutta Reisinger-Weber informierte die Gäste über den von vielen Widersprüchen geprägten barocken Zeitgeist.

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