Tonträger-Ausstellung aus 135 Jahren im Museum Reinheim

Von der Wachswalze bis zur Cloud

Professor Wolfgang Söll inmitten einer Familie beim Musikgenuss mit einem Trichtergrammophon.

Reinheim. „Hallo! Hallo!“, waren die ersten gespeicherten Worte auf einem Klangschreiber (Phonographen). Man schrieb den 29. November 1877, die Rufe kamen von Thomas Edison. So begann vor 135 Jahren die Geschichte der Tonträger, die in heutigen Tagen in dieser analogen Form ihrem Ende entgegenzuggehen scheinen. Eine Walze aus Wachs leitete eine ungeheuer erfolgreiche Kulturund Industriegeschichte ein. Die Schallplatte aus Schellack, der Tonfi lm, das Tonband, das Schallband, die Vinylschallplatte, die Stereo Langspielplatte, das Stereotonband, die Vierspur- Endloskassette, Minikassette, Mikrokassette, Compact Disc, Digital Audio Tape, Mini Disc, DVD, Blu-ray Disc. Und heute kommt die Musik aus einer „Wolke“ aus der sogenannten Cloud, digital und ganz ohne aufwändige mechanische Tonträger und Abspielgeräte.

Im Museum von Reinheim können Interessierte bis zum 24. Juni jeweils Sonntagnachmittag fantastische Exponate aus 135 Jahren Tonträgergeschichte bestaunen, teilweise auch abspielen lassen und hören. Verantwortlich für diese umfangreiche Sonderausstellung ist der Dieburger Professor (Elektrotechnik) Wolfgang Söll. Er lehrte auf der Postakademie in Dieburg Fernmeldetechnik und später an der Hochschule Darmstadt Medientechnik. Über Jahrzehnte hinweg stellte Söll eine einzigartige Sammlung an Schallplatten, Tonbändern, Grammophonen, Plattenspielern, Kofferradios, Bandmaschinen, Kompaktanlagen und vieles mehr zusammen. Das Besondere ist, dass die Exponate im Museum nicht einfach „freigestellt“ präsentiert werden, sondern, dass sie im Kontext des passenden Zeitgeistes und Zeitgeschmacks ausgestellt werden. Da findet der Besucher ein Wohnzimmer aus den 60igern des vorigen Jahrhunderts mit Vitrinen, Tischen, Sesseln und des typischen Tisch- und Vitrinenschmucks (Sammeltassen) jener Zeit. In diesem Ambiente sitzen Puppenmenschen und lauschen der Musik aus der Anlage. Das ist mit sehr viel Liebe zum Detail aufgebaut und umfassend mit vielen Informationen unterfüttert. „Mir ist es stets wichtig, komplizierte Sachverhalte so einfach wie möglich darzustellen“, formuliert Professor Söll seinen Anspruch an die Ausstellung. Und wer etwas genauer hinschaut und die komplexen Mechaniken eines der ersten Tonbandgeräte für sich erschließen möchte, der freut sich über die zusätzlichen und verständlich dargebotenen Informationen.

Sicher, Musik aus der Cloud runtergeladen, gerade so wie man Lust drauf hat, ist eine wunderbare Sache. Aber die alte Platte mit den Kratzern genau an der Stelle, an der der Drummer sein fantastisches Solo spielt oder das alte Beatles Album mit den tollen St. Peppers Illustrationen oder die Musiktruhe, die sich erst einmal warmlaufen musste, bevor der erste Ton herauskam, waren und sind auch heute noch einfach wunderbar. Eine herrliche Kulturgeschichte – erlebbar im Museum Reinheim. Text/Bild: Dieter Preuss

3 Kommentare

  1. Michael Bittkow sagt:

    ich habe nicht den Namen + Kontaktdaten des Professors, der die Ausstellung machte (er hat meine Visitenkarte) Die RWTH in Aachen sagte mir, er soll sich mit der RWTH Tel. 0241-80-27686 in Aachen in Verbindung setzen. Ich hatte der RWTH 2 TED Bildplattenspieler aus dem Jahr 1975 besorgt + jener Professor hat Interesse an 1 der TED Bildplattenspieler

  2. Michael Bittkow sagt:

    habe nun die Telefonnummer gefunden + werde den Kontakt – Wolfgang Söll – RWTH herstellen. Hoffe, daß dann 1 der beiden TED Bildplattenspieler Herrn Professor Wolfgang Söll übergeben werden kann.

Hinterlasse jetzt eine Antwort