Tradition so modern: Lindenfelser Burg- und Trachtenfest

Hoch auf dem gelben Wagen …

Lindenfels. … sitz‘ ich beim Schwager vorn. Vorwärts die Rosse traben, lustig schmettert das Horn! Diesem Bild eines deutschen Volksliedes entsprach ziemlich genau die Auffahrt der Postkutsche beim großen Festzug des 110. Lindenfelser Burg- und Trachtenfest‘ am vergangenen Sonntag. Selbst die romantisch verliebte Szene „Hinter den Fensterscheiben, lacht ein Gesicht so hold“ wurde in die Tat umgesetzt, denn ein schönes Mädchen in Odenwälder Tracht winkte mit bezauberndem Lächeln den zujubelnden Bürgern zu.

Das war eine schön inszenierte Zugnummer, bis ins letzte Detail liebevoll nachempfunden. So auch der gesamte Festzug, bei dem eine Odenwälder Bauernhochzeit um 1900 ins Bild gesetzt wurde. Passend dazu Kapelle, Gesangverein, Fahnenträger, Reiterschaft und allerlei zünftiges Handwerk. Sowie die Brautleute (Katharina Hechler und Thomas Trautmann heiraten of ziell am kommenden Wochenende) in traditioneller Hochzeitskleidung sowie die Brautführer und -jungfern und die gesamte Aussteuer, die so eine Braut um 1900 mit auf den häuslichen Weg bekam.

Im Großen und Ganzen hatten die Lindenfelser beim ältesten Trachtenfest des Odenwalds mit dem Wetter Glück. Bis auf ein paar Schauer kurz vorm Start des Umzugs wie auch am Sonntagspätnachmittag waren die Luft-, Licht- und Temperaturbedingen ideal. So auch bei der romantischen Volksbelustigung oben im Burghof. Das Tanzen, Singen, Musizieren wurde eröffnet von Bürgermeister Michael Helbig, sekundiert vom Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes in prachtvollem Gewand. Mitwirkend beim lustigen Reigen unter der Linde auch die Freunde aus den Partnerstädten Moelan-sur-Mer in Frankreich und Pawlowiczki in Polen. Und natürlich die vielen Festtagsbesucher aus dem gesamten Rhein- Main-Gebiet.

Für das hervorragende Gelingen des Burg- und Trachtenfestes wie auch dem Image-Gewinn und der Glaubwürdigkeit und Echtheit der Veranstaltung spielten in diesem Jahr einige gute Entscheidungen eine wichtige Rolle. Dazu gehört sicher das nach fünfjähriger Pause erstmalig wieder brillant inszenierte Feuerwerk an den Burgmauern. Eine klasse Idee der Organisatoren war auch, die Fuhrwerke allesamt von Pferden ziehen zu lassen. Das hat dem Umzug eine schöne und einzigartige Aura verliehen. Überhaupt haben die Ehrenamtlichen ganze Arbeit geleistet. Das brachte auch Bürgermeister Helbig in seiner Burghof- Ansprache zum Ausdruck, in der er den Organisatoren und den rund 200 Helferinnen und Helfern herzlich dankte. Für Unterhaltung, Stimmung und einen rundum perfekten Ablauf der 4 Festtage sorgten viele Vereine, Trachtenkapellen und -gruppen, Handwerker, Zimmerleute, die Liveband „Lärmfeuer“, Theaterleute, die Sänger vom Männergesangsverein „Eintracht“ und viele, viele Lindenfelser als Ordner, Zugbegleiter, Würstchengriller, Kassenwarte, Servierkräfte und andere mehr. So feiert man perfekt, modern und zukunftsfähig seine Traditionen.

Text/Bild: Dieter Preuss

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