Unternehmerische Innovationen für ein besseres Klima

Die etwas andere Kern-Energie

Odenwald. Die strategische Linie, die zur Erreichung des deutschen Klimaziels nötig ist, kommt von der Bundesregierung in enger Zusammenarbeit (hoffentlich!) mit den Ländern. So zum Beispiel der Ausstieg aus der Kernenergie sowie den Förderungen des Marktes der regenerativen Energien mit Subventionen für Industrie, Handel und Privatbürger. Ergänzt wird das Ganze durch Ideen, Konzepte und Aktivitäten der Bürgermeister einzelner Gemeinden sowie vieler Landräte in den Landkreisen. Der Odenwaldkreis ist sicher nur einer unter vielen, der über alternative Energiekonzepte nachdenkt.

Hier sind das insbesondere die Diskussion über Windenergie sowie die Installation einiger Biogas- und öffentlicher Solar- Anlagen. Als neutraler Beobachter dieses „Nachhaltigkeitsbooms“ auf allen Ebenen könnte man glauben, dass es sich dabei um eine Art „Wildwest“ in Positionierungsfragen bezüglich „sauberer“ Energie und daraus resultierenden Wertschöpfungen handelt. Sei’s drum. Wichtig ist, dass die Dinge ins Laufen kommen. In der Öffentlichkeit wenig beachtet in diesem „Wildwest“ für eine klimafreundliche Zukunft sind die Privatinvestoren bzw. die Menschen und Unternehmen, die mit teilweise faszinierenden Ideen und möglichen Investitions-Risiken neue Wege beschreiten. Wege, die helfen, die hoch gesteckten Klimaziele zu erreichen. Das alles Entscheidende dabei ist, die CO2 Treiber Öl und Gas auf die Plätze zu verweisen und Holz, Biomasse, Wind, Wasser, Sonnenenergie, ggf. auch Abfall als Energieträger nach vorne zu bringen. Auf besonders innovative Weise hat Ralf Mai, Geschäftsführer des Odenwälder Abfall-Entsorgers Reso GmbH aus Michelstadt, einen solchen Prozess gestartet. Seine Idee: Abfall aus der Obst verarbeitenden Industrie im Odenwald als Wärmeenergie zu nutzen. Das sind genau gesagt Kirsch- und Pflaumenkerne, die aufwändig (Kirschkerne sind stabil verrottungs-resistent) entsorgt werden müssen. Dazu hat ihm die Entega aus Darmstadt einen Heizkessel installiert, der Kerne wie auch Holzhackschnitzel verbrennen kann. Mit diesem einzigartigen Heizkraftwerk – die etwas andere Kern-Energie – in Ergänzung mit einer Photovoltaikanlage und einem Niedertemperatur Erdgaskessel für Spitzenlasten können zukünftig rund 24.000 m² Büro- und Hallenflächen auf dem Gelände des Relyparks in Michelstadt mit Strom und Wärme versorgt werden – weitgehend autark, klimafreundlich und kostengünstig. Wenn, ja wenn es die Gesetze nicht gäbe, die das Verbrennen von Obstkernen hier in Deutschland nicht gestatten. Der Kirsch- oder auch Pflaumenkern ist nicht als Regelbrennstoff anerkannt.

Dafür sollte aber nun die Politik unbedingt sorgen. Immerhin machte Mark Weinmeister, Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, kürzlich auf einer Veranstaltung der Reso GmbH deutlich, dass unternehmerische Innovationen dieser Art seine Unterstützung fänden. Dem schloss sich auch Landrat Dietrich Kübler an. Bleibt zu hoffen, dass die Mühlen der Behörden hier nicht allzu langsam mahlen! Text/Bild: Dieter Preuss

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