Viel los am Sonn Tag der offenen Höfe in Ueberau

Ein Festival der Sinne

Früher Alltag, heute was Besonderes: der Hufbeschlag eines Pferdes.

Ueberau. Dann und wann könnte man glauben, dass Ueberau nicht von dieser Welt ist. Wie schafft es dieser Reinheimer Stadtteil (prosaisch), dieses wundersame Dorf (poetisch), so faszinierend zu sein? Sind es die Leute? Die streitbaren Geister? Sind‘s die Fußballer, die Händler oder Handwerker? Vielleicht die Bauern, gar die Künstler? Ist‘s das Ortsbild mit den romantischen Hofreiten? Mal phantastisch rausgeputzt, mal dem Verfall preisgegeben, mal sündhaft im 70iger Jahre Stil verschandelt. Es ist wohl alles zusammen, was den Reiz ausmacht. Am vergangenen Sonntag konnten sich viele Gäste am „Tag der offenen Höfe“ ein Bild machen von der Faszination dieses Kleinods. Denn 24 Höfe öffneten die Tore und ließen die Besucher herein in Hof und Garten, in Stall und Scheune, Laube und Werkstatt. Zwischen Rosen, Mohn und Malven ließ man sich gemütlich nieder und genoss unter der alten Kastanie ‘ne Bratwurst oder Gyros, ein saftig gegrilltes Steak, frisch gezapftes Bier oder einen kühlen Schoppen und die Sonne – zumindest bis zum späten Nachmittag.

Zum Festival der Geschmackssinne kamen hinzu die schönen Dinge für Augen, Nasen (Duft) und Ohren. Zum Beispiel der Bauerngarten von Pia Hillerich. Welch ein Genuss! Dort stehen Mohn und Ringelblume in Nachbarschaft und Harmonie mit vielen anderen Blumen, rot, orange, gelb, blau, weiß, grün – wie aus der Farbpallette hingekleckst. Da ein alter Holztisch am Kamin, dort eine Gartenlaube wie zu Zeiten der Romantik.

Auch ein Spruch auf einer Glasscheibe: „Wahre Liebe riecht nicht immer nach Rosen!“ Wie könnte Pia Hillerich das wohl meinen? Denn nah am Spruch blüht eine alte Rose. Doch Vorsicht! Duftende Blumen sind auch schon mal richtig giftig, wie der Ziertabak, die Giftpflanze des Jahres 2009. Und Heinrich Heine bemerkte in seinen Reisebildern: „… wenn man hienieden nur nicht übel riecht, und wie übrigens, was den Duft betrifft, eine vernünftige Blume gar keines Duftes bedarf.“

Aber nicht nur die Bauerngärten erquickten die Sinne, sondern auch Plastiken und Keramiken, die großformatigen Fotos aus der Serie „Wir Ueberauer“, Blasmusik und Melodien vom Posaunenchor, der Leierkastenmann und der fabulierende Märchenerzähler für die Kleinen. Die Wissensdurstigen nutzten die organisierte Führung durch den Ort, wie auch hie und da die Informationen zu Nutztieren, Landwirtschaft, Kultur, Arbeit und Historie u.a. in der Museums-Scheune. Und kleine Präsentationen wie der Hufbeschlag bei „Schönbergers“ machten den Sonntag zu einem Tag, der irgendwie aus der Zeit gefallen war. Schade, dass dann der Regen kam. Text/Bild: Dieter Preuss

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