Viel Pulver verschossen auf „Lengfelder Vorderladertage“

Krache, fetze und stinke muss es!

Die größte eingetragene Böllerkanone Deutschlands gehört dem Lengfelder Schützenverein und kam am vergangenen Wochenende mehrfach zum Einsatz

Die größte eingetragene Böllerkanone Deutschlands gehört dem Lengfelder Schützenverein und kam am vergangenen
Wochenende mehrfach zum Einsatz

Otzberg-Lengfeld. Mit den ersten Vorderladerkanonen (Steinbüchsen) konnte man täglich nur einen Schuss abfeuern, um eine etwa 300 kg schwere Steinkugel ins Ziel zu bringen. Mehr war nicht drin. Einfach weil es extrem aufwändig war, das Mehlpulver – heute Schwarzpulver – zu laden und zu verdämmen, um anschließend die Kugel einzusetzen und mit Keilen und Lehm zu verpissen und verschoppen. Nun musste gewartet werden bis der Lehm getrocknet war. Erst kam der Schuss! Nun, das war bei den Vorderladertagen des SV 1966 Lengfeld e.V. am vergangenen Wochenende doch weniger langwierig. Das wäre fürs Publikum auch nur ein gedrittelter Spaß gewesen, wenn es nur einmal täglich pro Kanone gekracht, gefetzt und gestunke hätt! Nein, dreimal am Samstag und dreimal am Sonntag hatten die „nordamerikanischen“ Kanoniere ihren böllernden Auftritt auf dem Sportgelände an der Otzbergschule. Alles, was im US-amerikanischen Bürgerkrieg Rang und Namen hatte, egal ob Süd- oder Nordstaatler, Indianer oder Cowboy, war in Lengfeld in perfekter Montur anzutreffen. Zum Beispiel Bernhard Karle, der extra aus Osterbergen bei Heilbronn angereist war, um in Lengfeld hinterm Schützenhaus seine Lodge (Zelt) aufzuschlagen und bei schönstem Wetter eine gute Woche dort verbrachte zusammen mit vielen anderen „Nordamerikanern“ aus Mainz, Worms, Erfurt und anderen deutschen Städten. Karle war als Trapper und Fallensteller auf dem Sportgelände unterwegs. Wie erfolgreich er was gefangen hatte auf dem Gelände, davon hat er nichts erzählt. Zu erzählen gab’s viel Interessanteres über die Vorderladerkanonen und -gewehre, mit denen die Schützen in unterschiedlichen Disziplinen ihre Zielgenauigkeit unter Beweis stellten. Da wurde mit allem geschossen, in das irgendwie Schwarzpulver reinpasst: Vorderladergewehr und -kurzwaffe, Unterhebelrepetierer, Revolver und Pistole.

Jedoch die Tages-Höhepunkte der mit Westernmusik live bespielten Veranstaltung war das Kanonenschießen auf dem Sportfeld. Die vereinseigene, größte Böllerkanone Deutschlands war dabei nicht nur die Hauptattraktion, sie war auch die Kanone, bei der es am heftigsten krachte, fetzte und stank. „Ein Kilo Schwarzpulver pro Schuss braucht so ein Kaliber (150 mm Rohr), um Eindruck zu machen“, sagt Freddy Silbermann aus Wembach, der allerdings mit seiner eigenen und der einzigen Hinterladerkanone auf der Veranstaltung Krach machte. In rund 200 Arbeitsstunden haben die Lengfelder die Superkanone in den 90er Jahren gebaut. Alle 5 Jahre muss sie „beschossen werden“, was als so eine Art TÜV für Vorderladerkanonen zu verstehen ist.

Text/Bild: Dieter Preuss

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