Waldenser-Museum in Rohrbach eröffnet

Eine Geschichte von Integration und Toleranz

Jana Bosch und Lea Franke stimmen die Gäste mit einer Sonate für Violine von Jean Marie Leclair ein.

Ober-Ramstadt/Rohrbach. Eine sehr  große Gruppe von Menschen fand sich ein, um einem sehr kleinen Museum in der Alten Schule in Rohrbach die Ehre zu erweisen: dem am vergangenen Samstag neu eröffneten Waldenser-Museum, das am „Hugenotten- und Waldenserpfad“ liegt. Ein Pfad, der von Frankreich und Italien über die Schweiz bis weit nach Deutschland hinein geht und den historischen Fluchtweg der Hugenotten und Waldenser von vor mehr als 300 Jahren beschreibt, als diese wegen ihres reformatorischen Glaubens verfolgt wurden. Im Jahre 1699 siedelten sich rund 50  Waldenser Familien aus Pragela (im oberen Chisonetal der Alpen) unter dem Schutz des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt auf den Pachthöfen Rohrbach, Wembach und Hahn an. Von dieser Jahrhunderte dauernden, erfolgreichen Integrations- und Kulturgeschichte erzählt das kleine Museum.
Carola Lautenschläger, Vorsitzende des „Arbeitskreises Waldenser-Museum“, machte in einer Waldensertracht und mit ihrer Begrüßungsansprache anschaulich, was es bedeutete für eine kleine Französisch sprechende Gruppe am Ende des 17. Jahrhunderts hier zu siedeln. Und bedenkt man, dass die Siedler erst vor gut 100 Jahren Deutsch als 1. Sprache anerkannten und dass viele dieser Menschen in den Weltkriegen als Soldaten gegen Franzosen kämpfen mussten, kann man sich vorstellen, wie mühsam ein solcher Weg der Integration gewesen sein könnte. Lautenschläger wörtlich: „Es war ein Weg der Toleranz. Und wie ist das alles gelungen? Mit viel Gottvertrauen!“ Ein Gottvertrauen, dass wohl auch für die Realisierung des Museums sowie die Bestückung einer Teilstrecke des Waldenser Pfades mit Informationsstelen nötig war. Die Kosten beliefen sich auf rund 70.000 Euro. Finanziell unterstützt wurde das Projekt aus  europäischen Fördertöpfen sowie von der  Landeskirche Hessen-Nassau.
Die Realisierung des Projektes  sei in erheblichem Maße auch dem starken sozialen Zusammenhalt der Waldensergemeinde zu verdanken, sagte Landrat Klaus Peter Schellhaas in seiner Grußansprache. Begeistert über das Ergebnis zeigte sich auch Werner Schuchmann, Bürgermeister von Ober-Ramstadt, und dankte in seiner Rede namentlich den vielen Helfern. Christoph Lubotta, Pfarrer der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde, konnte sich noch über eine weitere gute Tat des Landkreises freuen: Schellhaas überreichte ihm einen Scheck, der nun die Renovierung der Rohrbacher Kirche ermöglicht. Neben weiteren  Ehrengästen zeigten ihre Verbundenheit mit der kleinen Waldensergemeinde die Pröbstin von Starkenburg, Karin Held, und Arno Allmann, Dekan Darmstadt Land. Leser, die mehr wissen möchten über die Lebens- und Kultur-Geschichte der Waldenser in Rohrbach-Wembach-Hahn, können jeden 1. und 3. Sonntag im Monat (15–17 Uhr) das Museum in Rohrbach, Daniel-Bonin-Str. 5, besuchen.

2 Kommentare

  1. Lautenschläger Carola sagt:

    Ein sehr gelungener Bericht.

    Herzlichen Dank!

  2. Dieter Preuss sagt:

    Danke für diesen freundlichen Kommentar. Gelungene Bericht zeichnen immer wieder das Anzeigenblatt aus.

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