Wanderung um Reinheimer Teich ein Genuss für Aug‘ und Ohr

Hier klappert, pfeift, quakt und tratschelt es

Welch ein Sehen, welch ein Hören: Wanderer beobachten Störche, Gänse und Reiher auf den Feuchtwiesen der Reinheimer Teiche. Text/Bild: Dieter Preuss

Reinheim. Die Sonne sorgte für gleißendes Licht überm Wasser und auf den Wiesen sowie eine angenehme Temperatur. Der blaue Himmel mit leichter Wattierung gab der vorfrühlingshaften Auenlandschaft die poetische Umrahmung. Ideale Bedingungen für eine Wandertour durch die Gersprenz-Auen insbesondere im Naturschutzgebiet „Reinheimer Teich“ mit seinen Gänsen, Enten, Störchen, Schildkröten, Fröschen und dem ganzen singenden und trällernden Geflügelvolk. Gestartet sind die rund 20 Naturfreunde und -freundinnen am Sonntagnachmittag an der Naturschutzscheune.

Ziel der etwa dreistündigen Wanderung war die Scheelhecke in der Groß-Zimmerner Gemarkung. Yvonne Lücke, Dipl. Biologin vom Nabu, führte die Tour, denn sie ist für den erkrankten Tour-Guide Fritz Fornoff eingesprungen. Nein, die typischen und überaus detaillierten Fornoff-Geschichten bekamen die Naturfreunde nicht zu hören, trotzdem war die Führung informativ und unterhaltsam, denn Yvonne Lücke konnte über alles, was dort in und um die Teiche herum lebt – egal ob Pflanze oder Tier – bestens informieren.

Berühmt ist das Reinheimer Naturschutzgebiet vor allem wegen seiner Europäischen Sumpfschildkröte, die ja schon mal als ausgestorben galt, dann aber in den Reinheimer Teichen wieder entdeckt wurde. Berühmt auch wegen der Weißstorchkolonie mit Nistplätzen auf der alten Teichscheune sowie in den Weiden auf den Feuchtwiesen. Derzeit brüten 10 Paare im Naturschutzgebiet. Also – Frösche, Eidechsen, Schlangen, Fische, Würmer und Mäuse, aber auch Bodenbrüter (die Eier sind begehrt) aufgepasst! Die kommenden Wochen werden stressig, denn die Störche müssen ihre Jungen großziehen und das bedeutet einen höheren Nahrungsbedarf für die Klapperstorchfamilie. So eine Vorfrühlingswanderung macht richtig Laune auf Natur, insbesondere wenn man die ersten blühenden Hasel, Erlen und Weiden sieht und die ersten Hochzeits- und Revierabgrenzungsklänge von Rotkelchen, Amsel, Kiebitz, Meise, Storch, Graugans und Reiher hört. „Hier explodiert gerade der Frühling!“, umschrieb eine Wanderin den Augen- und Hörgenuss. Sicher, die meisten Tiere im Naturschutzgebiet sind willkommen. Ein Tier allerdings nicht: die Gelbwangenschmuckschildkröte sowie deren nächste Verwandte die Rotwangenschmuckschildkröte sind ungebetene und unbeliebte Gäste. Beide bedeuten für die unter Naturschutz stehende Europäische Sumpfschildkröte eine große Gefahr, da beide Arten ähnliche Lebensräume besetzen. Zum Beispiel sonnige Plätze für die Eiablage.

Ach ja, und noch etwas ist unbeliebt in der fragilen Reinheimer Auenlandschaft: querfeldein laufende Naturzertreter, auf den Wiesen Frisbie spielende Rabauken sowie Plastikmüll verteilende Ignoranten – ein Storch hat sich schon mit einer Plastiktüte erdrosselt.

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