Wenn der Crumbacher mit schönen Damen …

Oder: Wie gut, eine Heimat zu haben

… dann erliegt auch die Dame aus dem Sudetenland dem Charme von Thomas Schneller. Text/Bild: Dieter Preuss

Fränkisch-Crumbach. Ein Heimatmuseum kann man so oder so sehen. Doch eines ist gewiss: Es vermittelt Heimat. Und Heimat ist heute angesichts des Weltenbummlertums ein wertvolles Gut. Selbst für den Internet-Junkie, dem Allesverweigerer, dem Hipster oder dem Hard Rocker – Heimat bedeutet, verstanden zu werden. Das vermittelt Identität, Sicherheit und Rückhalt. Heimatmuseen wie in Fränkisch- Crumbach, Reichelsheim, Reinheim oder Ober-Ramstadt zeigen, wo wir herkommen, wer die Menschen waren, die uns diese Heimat gebaut, erkämpft, die gesiegt, aber auch verloren haben. Da begegnet man den Grantigen, den Eitlen, den Philosophen und den Originalen, in Crumbach dem „Poschde Marieche“, „Dicke Schorsch“ und den Simmermachern Heinrich und Georg Brunner sowie den von Rodenstein und von Gemmingen, den Arbeitsamen und Müßiggängern, den Händlern, Handwerkern und Bauern.

Genau so ist das im 1980 eröffneten Heimatmuseum Rodenstein, mit seinem historischen Charme eingezwängt zwischen Schloss und evangelischer Kirche in Fränkisch-Crumbach. Und doch mit rund 150 m² Ausstellungsfläche von überraschender Größe. Am vergangen Sonntag wurde nach der Winterpause die Saison eingeläutet: an jedem Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr können Interessierte auf unterhaltsame Weise die Spuren der Geschichte lesen. Dafür sorgen unter anderen Thomas Schneller und Peter Breitmeier sowie Rudhart Knodt, Vorsitzender der 1978 gegründeten „Interessengemeinschaft Heimatmuseum Rodenstein e.V.“

Für den „Crumbacher Bub“ Thomas Schneller ist es die Freude am Historischen, das Interesse an den alten Geschichten über seinen Heimatort und den Menschen, von denen in seiner Kindheit viel erzählt wurde, was ihn für sein Ehrenamt im Heimatmuseum begeistert. Obwohl er seit 2004 mit seiner Familie in Mainz lebt, kommt er fast jedes Wochenende nach Fränkisch-Crumbach, besucht seine Mutter und verrichtet seinen Dienst im Museum. Das ist Heimatverbundenheit. Im Museum zu entdecken gibt‘s auch die Geschichte der Reichsunmittelbarkeit des Ortes bis 1806. Damit war Fränkisch-Crumbach direkt dem deutschen Kaiser unterstellt. Kommen daher das Image vom „gallischen Dorf“ und die Meinung „die Crumbacher sind ein eigenes Völkchen“? Zu entdecken gibt’s die Geschichte vom „Poschde Marieche“ und ihrem Krämerladen, den sie bis in die 80iger Jahre betrieb. Oder die Geschichte der Crumbacher Schuhmacherzunft mit teilweise 70 Schustern, die mit ihren Karren auf die Märkte von Worms, Seligenstadt und Frankfurt zogen. Oder die Geschichten der Crumbacher Zigarrenmacher, Pumpenmacher, Küfer, Schlosser, Drechsler … Zu entdecken gibt‘s übers Jahr gesehen immer was Neues durch die wechselnden Themenausstellungen. Man muss halt einfach nur hingehen.

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