Wertvolles vom Wasser, Wandern und von Wegen

Statt mit Nass, mit Erd‘ gefüllt: Brunnenbied im Schlosshof umringt von naturkundlichen Wanderern. Text/Bild: Dieter Preuss

Fischbachtal/Lichtenberg. „Wie kam das Wasser in Schloss und Burg?“, war Thema und zentrale Frage einer naturkundlichen Wanderung am vergangenen Sonntag in Lichtenberg. Geführt wurde die rund 10 km lange Wasserwegewanderung von Revierförster Günter Coumont, der den Teilnehmern allerlei Geschichten rund um die historische Wasserversorgung in Lichtenberg zu erzählen wusste. Das Wetter war wunderbar, die Wege herrlich zu laufen – typisch Fischbachtal – mit lauschigen Plätzchen, romantischer Wald- und Wiesenlandschaft und grandiosen Odenwald-Panoramen. Kurzum: Jeder Meter wertvoll! Schade, dass nur etwa 40 Wissensdurstige in diesen Genuss kamen. Allerdings nicht nur sinnlicher Genuss. Es gab auch viel zu lernen über den Wert von Wasser in Zeiten, als man dies noch mit Krügen, Eimern und Eseln transportierte für Speisen, Getränke, Wäsche, fürs Vieh wie auch zum geringeren Teil für die Morgentoilette. Hierfür mussten ein paar Tropfen aus der Schüssel fürs Betupfen der verschmutzten Körperregionen genügen.

Der erste Stopp der Wandertruppe, zu der auch einige Fischbachtaler Kommunalpolitiker und Bürgermeister Wilfried Speckhardt gehörten, war der Eselsbrunnen unterhalb des Bollwerks.

So verträumt das Quellwasser hier vor sich hin plätschert, der Transport des wertvollen Guts rauf ins Dorf war eher beschwerlich als beschaulich. Der Brunnen war aber für die damalige mittelalterliche Wasserversorgung von höchstem Wert, da der Ziehbrunnen, erbaut Mitte des 15. Jahrhunderts, oben vorm Burgtor (2. Stopp) nicht ausreichte für eine halbwegs hygienische Wasserversorgung. Meist war das Brunnenwasser schmutzig und faulig. Als dann im 16. Jahrhundert das Schloss erbaut wurde, kam Bewegung und Beschleunigung, Kreativität und Wissenschaft in die Lichtenberger Wasserversorgung. Denn der Adel wollte ja gut essen, trinken und sich ab und an auch mal ordentlich waschen. Dazu genügten, insbesondere wenn vielköpfiger Besuch der blaublütigen Verwandtschaft  kam, weder der Esels- noch der Ziehbrunnen. Es musste Wasser aus den Lützelbacher Quellwiesen her. Dazu verbaute man eine rund 4 km lange hölzerne Leitung (ausgehöhlte Fichtenholzstämme), die das Wasser aus den Wiesenquellen hoch übern Berg und wieder runter durch den Kernbachwald und wieder hoch zum Schloss transportierte. „Für die damalige Zeit war das eine exzellente Ingenieursleistung“, so Förster Günter Coumont wörtlich. Im Brunnenbied (3. Stopp) im Schlosshof wurde das Lützelbacher Wiesenwasser gespeichert. Kontrovers diskutierte man noch, wie lange diese exzellente Ingenieursleistung gehalten und funktioniert habe. Ein Wanderer meinte nur 50 Jahre, was Coumont allerdings nach seinem Kenntnisstand für nicht plausibel hielt. Dann ging’s weiter zur Heuneburg durch den herrlichen Buchenwald Richtung Lützelbacher Wiesen. Wertvoll war’s!

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