Zum 200. Geburtstag von Georg Büchner

Woyzecks Tod / Lenz und Lena

Dr. Manfred Osten, Bonn.

Reinheim. Ein außergewöhnlicher Theaterabend Szenisch eingerichtet und gespielt von Susanne Hocke und Jürgen Larys Mit einem einleitenden Vortrag von Dr. Manfred Osten (Bonn): „Der Mensch – ein aufgeklapptes Rasiermesser?“ – Zur Aktualität Büchners im 21. Jahrhundert Georg Büchner (1813-1837), dessen 200. Geburtstag 2013 gefeiert wird, hat in seinem literarisch überragenden Werk Sätze formuliert, die aktuelle Diskussionen um die Ergebnisse der Hirnforschung und deren Konsequenz für unser Menschenbild vorwegnehmen: Infragestellung des freien Willens, der Mensch als lustgeleitete Fehlleistung der Evolution, in tiefer Skepsis gegen jeden idealistischen Überbau. Sein „Danton“ möchte seiner Geliebten „die Schädeldecke aufbrechen und ihr die Gedanken aus den Hirnfasern zerren“ – als letzten resignierten Versuch, einander wirklich kennen zu lernen.

Büchner stand mit seiner ganzen Person im Spannungsfeld zwischen Literatur, Naturwissenschaft und – natürlich! Politik, denn nach Veröffentlichung seines „Hessischen Landboten“, den der unsterbliche Satz: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ eröffnet, war er steckbrieflich von nun an ein gesuchter Revolutionär. Büchner strebte in tiefer Ablehnung der „Geldaristokratie“ eine von Gleichheit geprägte neue Gesellschaftsordnung an. Gleichzeitig analysierte er in „Danton’s Tod“, wie die rigorose Durchführung von Prinzipien (Freiheit, Gleichheit) in eine Lebensfeindlichkeit münden kann, die seine Protagonisten Robespierre und St. Just in die Nähe moderner totalitärer Systeme rückt.

„WOYZECKS TOD | LENZ UND LENA“ ist daher auch eine Auseinandersetzung über die Möglichkeit und die Grenzen der Revolution, angereichert mit modernen Paralleltexten. Es ist ein wilder Ritt durch Büchners Werk. Seine Figuren sind fiebrige Täter zwischen Trieb und Resignation, zwischen kaltem Kalkül und zwanghaftem Handeln. Und so oszilliert dieser Theaterabend zwischen der feuchten Sinnlichkeit eines Paradiesgartens und der Nüchternheit einer anatomischen Vorlesung. Das artENSEMBLE gastiert am 19. April ab 20 Uhr im Kulturzentrum Hofgut Reinheim. Beginn des einleitenden Vortrages von Dr. Manfred Osten (Bonn): „Der Mensch – ein aufgeklapptes Rasiermesser?“ – Zur Aktualität Büchners im 21. Jahrhundert ist 19 Uhr.

Eintrittskarten gibt es für 15,– Euro als Onlinetickets unter www.reinheim.de, bei den bekannten Vorverkaufsstellen (z.B. BuchMeyer, Reinheim) und im Kulturamt, Kirchstraße 24, in Reinheim.

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